ARTE Doku — „Die rätselhafte Krankheit – Leben mit ME/CFS”

Die Doku vom 10.07.2021 porträtiert mehrere an Myal­gis­ch­er Enzephalomyelitis (ME) erkrank­te Men­schen in Deutsch­land – u. a. Eileen, Ralf Lübke, Son­ja und den späteren Long-COVID-Betrof­fe­nen Felix Mohn­feld – und verbindet ihre Krankheits­geschicht­en mit dem jew­eili­gen Stand der aktuellen Forschung an Char­ité (Berlin), TU München/Helmholtz, Uni­ver­sität Würzburg und Uni­ver­sität Bergen (Nor­we­gen).

Im Zen­trum ste­ht die zeitverzögerte Zus­tandsver­schlechterung nach Anstren­gung: Betrof­fene beschreiben totale Energielosigkeit, das Gefühl, jemand habe „den Steck­er gezo­gen”, Muskelschmerzen am ganzen Kör­p­er, Kurzat­migkeit bis zur Unfähigkeit, einen Satz zu Ende zu sprechen, extreme Reizempfind­lichkeit (ein Betrof­fen­er lebt im abge­dunkel­ten Zim­mer mit Son­nen­brille und Regen­schirm). Wiederkehrend ist das Bild der Batterie/Akkus: Der Akku lädt sich über Nacht nicht wieder auf.

Viele Ver­läufe begin­nen nach Pfeif­fer­schem Drüsen­fieber. Die Doku zeigt ein­drück­lich, wie prä­gend die jahre­lange Odyssee von Arzt zu Arzt, Fehldiag­nosen als „psy­cho­so­ma­tisch” oder depres­siv, und der soziale Rück­zug bis zum Ver­schwinden aus dem öffentlichen Leben, wie schlecht die Leben­squal­ität der Erkrank­ten ist.

Die Forschung

Char­ité (Car­men Scheiben­bo­gen, Ute Behrens): Fokus auf Autoan­tikör­p­er gegen den Beta-2-Rezep­tor, die die Durch­blu­tungs- und Fein­s­teuerung stören – dadurch bekom­men Muskeln unter Belas­tung zu wenig Sauer­stoff. Diag­nos­tik über Kipp­tisch-artige Kreis­laufmes­sun­gen und den Hand­kraft-Test (nach Wieder­hol­ung erre­icht der Erkrank­te sein Aus­gangsniveau nicht mehr).

• Würzburg (Bhu­pesh Prusty): Her­pesviren (v. a. HHV‑6, EBV) frag­men­tieren die Mito­chon­drien; gibt man Serum von Erkrank­ten zu gesun­den Zel­lkul­turen, zer­fall­en deren Mito­chon­drien eben­falls – ein möglich­er Ansatz für einen diag­nos­tis­chen Test.

• Bergen (Fluge & Mel­la): Autoim­mun-Hypothese; die große Phase-3-Studie mit Rit­ux­imab, die später jedoch neg­a­tiv aus­fiel (u. a. musste die Dosis man­gels Phar­ma-Unter­stützung hal­biert wer­den).

Darum geht’s in der Doku

Die WHO klas­si­fiziert die Erkrankung schon seit 1969 als neu­rol­o­gisch, den­noch bleibt sie den meis­ten Ärztin­nen und Ärzten unbekan­nt. Die Ver­sorgungslage in Deutsch­land wird als katas­trophal beschrieben, die Forschung ist chro­nisch unter­fi­nanziert (Ver­gle­ich USA: 14 Mio. Dollar/Jahr gegenüber Mil­liar­den bei HIV). Am Ende ste­ht die Coro­na-Pan­demie als Wen­depunkt: Long COVID zeigt auf­fäl­lig ähn­liche Muster, was der Erkrankung neue Aufmerk­samkeit ver­schafft. Die Forschen­den beto­nen, mit aus­re­ichen­der Förderung und Ein­bindung der Phar­main­dus­trie sei in fünf bis sechs Jahren eine Lösung denkbar.

Da es die ARTE Doku nicht mehr in deren Mediathek gibt, find­est du sie auf unserem YouTube Kanal @Leben-mit-ME-CFS

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