Folge 31: Familienleben (Partnerschaft & Kinder) und ein ehrlicher Jahresrückblick bei Myalgischer Enzephalomyelitis (ME/CFS)

Inhalt der Folge

Am Mikrofon mit Freundin und Tee

Mol­ly liegt im Bett, ihr Mann hat ihr einen Him­beer-Kamil­len­tee gebracht. Chriz­zo nippt an ihrem Johan­nis­beer-Auf­guss und genießt das ungewöhn­lich milde Win­ter­wet­ter. Die bei­den unter­hal­ten sich, wie es ihnen seit der let­zten Auf­nahme ergan­gen ist. Bei Chriz­zo wirkt ein zwanzigtägiger Antibi­oti­ka-Zyk­lus nach. Der Kör­p­er fühlt sich leichter an, energiere­ich­er. Doch gle­ichzeit­ig schwankt die Kog­ni­tion. Dinge gle­ichzeit­ig zu tun, etwa kochen und sich zu unter­hal­ten, über­fordert sie plöt­zlich. Zeit­druck stresst enorm. Chriz­zo ver­mutet, dass ihr Gehirn im Ste­hen nicht aus­re­ichend durch­blutet wird, und plant, ihre Aktiv­itäten genauer zu beobacht­en. Tage­buch zu führen.

Mol­ly berichtet von einem Son­ntag, der sie über­rollte. Drei Tage lang blieb sie im Bett, ließ selb­st das tägliche Waschen weg, um sich zu scho­nen. Am Mittwoch ließen die Symp­tome nach, doch sie gön­nte sich noch einen weit­eren Ruhetag. Kog­ni­tion ist bei ihr ger­ade das große The­ma. Vor Kurzem kon­nte sie kaum englis­che Texte lesen, heute mor­gen sang sie auf Englisch vor sich hin und dichtete spon­tan den Text weit­er. Für sie ein Zeichen, dass die kog­ni­tiv­en Fähigkeit­en langsam zurück­kehren. Aus Erfahrung weiß sie: Wenn Kör­p­er und Geist wieder mit­spie­len, meldet sich oft die Psy­che. Solange aber der Aufwärt­strend anhält, ist die Stim­mung gut.

ME ist keine Müdigkeit

Die bei­den wollen heute über Abkürzun­gen und Fach­be­griffe sprechen, die im Pod­cast immer wieder auf­tauchen. Mol­ly stellt die erste Frage: Was bedeutet eigentlich ME/CFS? Chriz­zo antwortet: Myal­gis­che Enzephalomyelitis, Chro­nis­ches Fatigue-Syn­drom. Ein zusam­menge­set­zter, fast schon kün­stlich­er Begriff. Mol­ly ergänzt, dass CFS oft als Symp­tom bei anderen chro­nis­chen Erkrankun­gen wie Depres­sio­nen, MS oder Krebs auftritt und meist ver­schwindet, wenn die Grun­derkrankung behan­delt wird. Doch ME sei etwas grundle­gend anderes.

Fatigue bedeutet krankhafte Erschöp­fung. Doch macht Erschöp­fung allein diese Erkrankung aus? Mol­ly verneint entsch­ieden. ME ist eine schwere neu­roim­mu­nol­o­gis­che Mul­ti­sys­te­merkrankung, die zu extremer kör­per­lich­er Behin­derung führen kann. Das Spek­trum reicht von Men­schen, die noch teil­weise arbeit­en kön­nen, bis zu Schw­er­stkranken, die nur noch liegen, bei denen selb­st ein Umdrehen im Bett zu viel ist, die mit Sonde ernährt wer­den müssen und wed­er Licht noch Geräusche noch Berührun­gen ertra­gen. Jed­er, auch Gesunde, trägt das Risiko in sich, zu erkranken und tiefer abzu­rutschen.

Chriz­zo liest ein Zitat der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS vor: ME sei ein eigen­ständi­ges, kom­plex­es Krankheits­bild und nicht mit dem Symp­tom Fatigue zu ver­wech­seln, das viele chro­nisch entzündliche Erkrankun­gen begleite. Das sei die Kern­botschaft dieser Folge. Mol­ly betont, ME sei eine eigen­ständi­ge klin­is­che Entität, keine bloße Begleit­er­schei­n­ung.

Der Name und seine Geschichte

Warum sagen die bei­den mal ME, mal ME/CFS? Chriz­zo erk­lärt, dass im offiziellen Sprachge­brauch meist ME/CFS ver­wen­det wird, teils auch nur CFS diag­nos­tiziert. Doch dieser Begriff ver­harm­lost die Erkrankung. Bei­de sind sich einig: Sie möcht­en kün­ftig nur noch von ME sprechen. Mol­ly führt aus, dass CFS ein Symp­tom von ME ist, eines von vie­len. Bei Mul­ti­pler Sklerose sage man auch nicht MS/CFS, obwohl auch dort chro­nis­che Erschöp­fung auftrete. ME bet­rifft nicht nur den Schlaf oder die Energie, son­dern das Immun­sys­tem, das Ner­ven­sys­tem, Herz, Darm, ver­schieden­ste Organe. Um der Stig­ma­tisierung ent­ge­gen­zuwirken, emp­fiehlt Mol­ly, bei Anträ­gen und Begutach­tun­gen stets G93.3, Myal­gis­che Encephalomyelitis, kurz ME, zu schreiben und das CFS ganz wegzu­lassen.

Mol­ly ergänzt his­torisch: Der Begriff Myal­gis­che Enzephalomyelitis stammt bere­its aus den 1950er Jahren, als es in einem Lon­don­er Kranken­haus einen Aus­bruch gab. Das Chro­nis­che Fatigue-Syn­drom kam erst viel später hinzu. Bei­de Begriffe haben sich im Laufe der Zeit ver­mis­cht, bis die WHO ME/CFS unter G93.3 im ICD-10-Kat­a­log auf­nahm.

Auslöser und Virusfamilien

Chriz­zo lenkt das Gespräch auf die Frage, was über­haupt zu ME führen kann. Mol­ly erk­lärt, es sei meist eine postin­fek­tiöse Erkrankung, also aus­gelöst nach ein­er Infek­tion. Es gibt aber auch Fälle nach Oper­a­tio­nen, Unfällen oder Imp­fun­gen. Typ­is­che Aus­lös­er sind EBV und aktuell Covid, sei es Post-Covid oder Post-Vac.

EBV ste­ht für Epstein-Barr-Virus, das Humane Her­pesvirus 4. Fast jed­er über vierzig ist damit infiziert, doch nicht bei jedem bricht das Pfeif­fer­sche Drüsen­fieber aus. Bei eini­gen Men­schen jedoch führt EBV zu ME. Warum das so ist, welche Fak­toren entschei­den, wer erkrankt und wer nicht, bleibt unklar.

Dann ist da SARS-CoV­‑2. Chriz­zo erin­nert daran, dass die Pan­demie nicht vor­bei ist. Mol­ly fragt, ob sie wisse, was SARS-CoV­‑2 aus­geschrieben bedeute. Sie antwortet: Severe Acute Res­pi­ra­to­ry Syn­drome, Coro­n­avirus Type 2. Mol­ly bestätigt. Dieses neue Virus wurde erst­mals 2019 iden­ti­fiziert. Es gab schon eine SARS-CoV-1-Welle 2002/2003, nun fol­gte der zweite Stamm. Covid-19 ist die Infek­tion mit SARS-CoV­‑2. Manche spüren nichts, andere haben Erkäl­tungssymp­tome, wieder andere ster­ben daran. Die Spanne ist enorm. Die Viren­stämme verän­dern sich ständig, Rein­fek­tio­nen sind möglich.

Long-Covid, Post-Covid und Post-Vac

Wer unmit­tel­bar nach ein­er Covid-19-Infek­tion erkrankt ist, hat nicht zwin­gend Long-Covid. Chriz­zo erk­lärt: Long-Covid bedeute, dass Symp­tome einen Monat bis zu drei Monate nach der Infek­tion anhal­ten. Umgangssprach­lich sagen viele auch nach Jahren noch Long-Covid, doch medi­zinisch kor­rekt ist das nur für den Zeitraum bis drei Monate. Was danach kommt, heißt Post-Covid-Syn­drom, abgekürzt PCS. Trotz­dem sprechen die meis­ten von Long-Covid.

Mol­ly ver­mutet, dass die neuen Richtlin­ien des Gemein­samen Bun­de­sauss­chuss­es, kurz GBA, bewusst den Begriff Long-Covid ver­wen­den, um auch jene abzu­holen, die unmit­tel­bar nach der Infek­tion lei­den. Je früher inter­ve­niert wird, desto bess­er. Der GBA hat etwa eine Off-Label-Liste erstellt, um Symp­tome zu bekämpfen, da ME, Long-Covid und Post-Covid noch nicht heil­bar sind. Viele Fach­leute, Poli­tik­er, der Gesund­heitsmin­is­ter und Vertreter von Patien­tenor­gan­i­sa­tio­nen wirk­ten daran mit.

Mol­ly weist auf eine oft vergessene Gruppe hin: Post-Vac-Patien­ten. Manche erkrank­ten nach ein­er Imp­fung gegen SARS-CoV­‑2. Das Bay­erische Ärzteblatt beschreibt das Post-Vac-Syn­drom als Impfkom­p­lika­tion. Mol­ly betont, diese Men­schen dürften nicht aus­ge­gren­zt wer­den. Es ist unklar, ob die Symp­tome dauer­haft bleiben. Diese Patien­ten haben sich für andere impfen lassen, um das Immun­sys­tem der Gesellschaft zu schützen, und sind nun schw­er erkrankt.

Chriz­zo stimmt zu. Auch sie kön­nte derzeit unter die Beze­ich­nung Post-Covid-Syn­drom fall­en, doch auch sie kön­nte das wieder ver­lieren. Es gibt Remis­sions­berichte von Long-Covid, Post-Covid, Post-Vac, sog­ar von ME auf anderen Aus­lösewe­gen. Mol­ly berichtet von ihrer eige­nen (Teil-)Remission vor drei Jahren, die über zwanzig Monate anhielt, obwohl sie seit über zwanzig Jahren erkrankt ist. Nach einem Jahr war sie symp­tom­frei, zumin­d­est von den schw­eren ME-Symp­tomen. Rück­fälle sind möglich, durch neue Aus­lös­er. Deshalb ist es wichtig, alle Grup­pen zu inte­gri­eren und zu schauen, welch­es Kern­symp­tom alle gemein­sam haben.

Das Kernsymptom: PEM und PENE

Chriz­zo sagt, genau dieses Kern­symp­tom gren­ze ME von allen anderen Erkrankun­gen ab, die eben­falls mit Fatigue ein­herge­hen. Mol­ly ergänzt, dieses Symp­tom gebe es bei kein­er anderen Erkrankung. Es ist für die medi­zinis­che Welt atyp­isch, unbekan­nt, erst seit den 1950er Jahren beschrieben, aber lange nicht gut erforscht. Doch ger­ade jet­zt werde inten­siv daran geforscht.

PEM bedeutet Post-Exer­tion­al Malaise. Chriz­zo liest vor: PEM sei das für ME/CFS spez­i­fis­che, charak­ter­is­tis­che Leit­symp­tom. Es beze­ichne die belas­tungsin­duzierte Symp­tomver­schlechterung und sei in allen etablierten klin­is­chen Kri­te­rien Voraus­set­zung für eine ME/CFS-Diag­nose. Unter PEM ver­ste­he man die Ver­schlim­merung der Symp­tome schon nach geringer kör­per­lich­er, geistiger oder emo­tionaler Anstren­gung. Bei eini­gen kön­nten sog­ar Licht und Geräusche PEM aus­lösen. Dieses Zitat stammt von der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS und bringe alles auf den Punkt.

Mol­ly fasst zusam­men: PEM ist eine Zus­tandsver­schlechterung nach Belas­tung, egal welch­er Art, egal welch­er Stärke. Die Belas­tung ist für jeden Betrof­fe­nen völ­lig unter­schiedlich. Was die eine noch schafft, kann für die andere längst zu viel sein. Das Spek­trum inner­halb der Erkrankung ist riesig.

Chriz­zo fragt Mol­ly, was bei ihr vor allem betrof­fen ist, wenn sie PEM hat. Mol­ly achtet auf drei Bere­iche: Kog­ni­tion, Emo­tion, kör­per­liche Auswirkun­gen. Wichtig sei: Die Symp­tome kön­nen zeitverzögert auftreten, bis zu zweiund­siebzig Stun­den nach der Über­forderung. Mol­ly nen­nt ein Beispiel: Heute kann sie sich duschen lassen, im Sitzen essen, zweimal am Tag. Würde sie auf­ste­hen und die Wäsche zusam­men­le­gen, kön­nte das bei ihr erst zweiund­sechzig Stun­den später eine Zus­tandsver­schlechterung aus­lösen, meist zwis­chen vierundzwanzig und zweiund­siebzig Stun­den.

Einzelne Symp­tome treten auch schon während­dessen auf, etwa Luft­not, schnellerer Herz­schlag oder Brain Fog, dieser Nebel im Kopf, wenn das Denken schw­er­fällt. Doch die volle Ver­schlechterung spürt Mol­ly erst nach etwa sechzig Stun­den. Dann ver­stärken sich alle Grundsymp­tome: Glieder­schmerzen, Kopf­schmerzen, geschwol­lene Lym­ph­knoten, Halss­chmerzen, ver­langsamtes Denken, Licht- und Geräuschempfind­lichkeit. Alles wird schlim­mer. Die Stimme klingt wie bei ein­er Erkäl­tung. Früher dachte Mol­ly jedes Mal, sie hätte sich angesteckt, vor allem in jun­gen Jahren. Doch es war PEM. Die Belas­tung von vor zweiein­halb Tagen, etwa das Wäschezusam­men­le­gen, lässt sich schw­er zuord­nen.

Chriz­zo find­et das per­fide. Wenn es bei ihr immer sechzig Stun­den bräuchte, wäre sie längst in eine fürchter­liche Zus­tandsver­schlechterung abgerutscht, weil sie die Ursache nicht hätte erken­nen kön­nen. Ihr Kör­p­er gibt ihr zum Glück nach spätestens zwölf Stun­den die Reißleine. Durch den Fam­i­lien­all­t­ag würde sie es son­st zu spät mit­bekom­men.

Mol­ly erk­lärt, wenn sie ihren aktuellen Spiel­raum, ihre Base­line, nicht ken­nt, weiß sie nicht, wann sie aufhören muss. Wenn sie weit­er und weit­er macht, auf kle­in­ste Symp­tome wie Atem­not oder erhöht­es Herzrasen nicht achtet, etwa beim Kochen im Ste­hen, während­dessen ein Stre­it­ge­spräch mit ihrem Mann führt, ist sie auf allen drei Ebe­nen gestresst: kör­per­lich, kog­ni­tiv, emo­tion­al. Dann kann es passieren, dass der Kör­p­er sagt: Bis hier­hin und nicht weit­er. Sie bekommt einen Anfall.

Früher waren das Darmkrämpfe, später kon­nte sie von jet­zt auf gle­ich nicht mehr reden, der Kör­p­er wurde steif. Wenn sie sich nicht rechtzeit­ig hin­legte oder hin­set­zte, fiel sie ein­fach um. Die Musku­latur war so schlapp, dass sie den Mund nicht mehr öff­nen kon­nte. Alles fuhr runter, sie blieb aber bei Bewusst­sein. Es gab auch Anfälle, die ein­er Migräne ähnel­ten. Mol­ly ist sich nicht sich­er, ob das der Beginn der PEM war oder eine Migräne, die sig­nal­isierte: Du hast dich über­fordert.

Sie hat gel­ernt, es gar nicht erst so weit kom­men zu lassen. Sie ist liebevoll mit ihrem Zukun­fts-Ich, macht heute nicht mehr, obwohl sie kön­nte und wollte, und freut sich am näch­sten Tag, dass sie noch etwas tun kann.

Chriz­zo find­et den Aus­druck schön: „liebevoll mit dem Zukun­fts-Ich sein“. Das fordert enorme Diszi­plin. Bei ihr zeigt sich die Über­forderung vor allem an der Geräuschempfind­lichkeit. Im Gespräch mit ihrer Fam­i­lie merkt sie dann, dass ihr irgend­wann allein die Geräusche zu viel wer­den, dann kommt es ihr vor, dass ihre Tochter zu laut redet, dabei hat sie ihre Laut­stärke gar nicht ange­hoben.

Dann horcht sie in sich hinein, spürt ein Kribbeln von innen, Puls und Atmung sind anders. Mit­tler­weile bricht sie Gespräche ab, bit­tet um eine Pause, zieht sich zurück. Sie ver­mutet, dass Mol­ly PEM nicht unbe­d­ingt als Crash beze­ich­net. Sie nutzt die ersten Anze­ichen als Warnsignal, reduziert Reize, ruht sich aus, betreibt aktive Erhol­ung, damit es nicht zum Crash kommt.

Mol­ly stimmt zu. Sie würde gern eine Extra-Folge über PEM machen. Sie per­sön­lich benutzt PEM für eine Zus­tandsver­schlechterung, die ein paar Tage bis eine Woche dauert. Manche nen­nen das auch AP oder DIP, Anpas­sungsphasen. Danach kann sie meist wieder auf dem gle­ichen Stand oder min­i­mal bess­er agieren.

Ein Crash hinge­gen ist umgangssprach­lich und wird in der ME-Com­mu­ni­ty für eine anhal­tende Zus­tandsver­schlechterung ver­wen­det, wenn jemand sich über Monate oder viele Wochen nicht mehr erholen kann. Mol­ly benutzt das Wort, wenn sie etwa von einem Bell-Score von siebzig auf zehn abstürzt, von Teilzeitar­beit auf nur noch im Bett liegen, alles dunkel, alles still, am besten nie­man­den ansprechen. Ein drastis­ch­er Absturz, die ganze Treppe hin­unter, nicht nur eine Stufe.

Dann erwäh­nt Mol­ly PENE. PENE solle eigentlich der neue PEM-Begriff wer­den, denn er sei genauer: Post-Exer­tion­al Neu­roim­mune Exhaus­tion, pos­tex­er­tionale neu­roim­mu­nol­o­gis­che Entkräf­tung. Chriz­zo liest die Def­i­n­i­tion der Schweiz­erischen Gesellschaft für ME & CFS vor: PENE sei eine für ME charak­ter­is­tis­che neu­roim­mu­nol­o­gis­che Reak­tion des Kör­pers auf Anstren­gung, die bere­its auf geringe physis­che, kog­ni­tive oder sen­sorische Belas­tung fol­gen könne, weil der Kör­p­er nicht in der Lage sei, auf Abruf genü­gend Energie bere­itzustellen.

Mol­ly find­et es inter­es­sant, dass die Schweiz­erische Gesellschaft PENE ver­wen­det, die Deutsche PEM. Die Def­i­n­i­tio­nen ähneln sich stark, doch PENE inte­gri­ert das Neu­roim­mu­nol­o­gis­che als Kern­be­griff. Sie fragt Chriz­zo, wie sie das hand­habe. Sie kam als Neuerkrank­te über Videos von Mia auf Long-Covid-Deutsch­land auf den Begriff PEM. Doch sie glaubt, man sollte kün­ftig bess­er von PENE sprechen, weil es den Kern der Erkrankung genauer tre­ffe. Es mache von vorn­here­in klar, dass die Zus­tandsver­schlechterung eine neu­roim­mu­nol­o­gis­che Reak­tion sei.

Man müsse sich vielle­icht umgewöh­nen, PEM spreche sich leichter, doch vielle­icht kön­nten sie zur Entstig­ma­tisierung beitra­gen, indem sie das Bewusst­sein schär­fen. Das gesproch­ene Wort bes­timme mit, wie die Erkrankung gese­hen wird. Mol­ly stimmt zu. Sie möchte nicht auss­chließen, wenn jemand PEM sagt, son­dern nur sagen: Es gibt heute einen besseren Begriff, der es detail­liert­er trifft. Sie ver­weist auf das Video von Mia, eine Koop­er­a­tion der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS und Long-Covid Deutsch­land, das PEM gut erk­läre. In den Show Notes wer­den alle Begriffe kurz definiert und ein PDF zum Down­load bere­it­gestellt.

Ein Ausblick auf Teil zwei

Chriz­zo wirft die Frage auf, ob man dann nicht eigentlich von ME/PENE sprechen müsste statt von ME/CFS. Mol­ly find­et die Frage span­nend. Sie selb­st hat­te schon 2020 oder 2021 über­legt, ob man im ICD-10-Kat­a­log die G93.3 umbe­nen­nen oder eine neue Num­mer schaf­fen sollte, die nur für Myal­gis­che Encephalomyelitis ste­ht, mit PEM oder PENE als Kern­symp­tom. Die Frage sei inter­es­sant, doch im ersten Gefühl erscheine ME/PENE etwas sper­rig. Sie möchte die Frage mit­nehmen in die näch­ste Folge.

Die bei­den stellen fest, dass sie über viele Begriffe gesprochen haben, doch The­men wie Pac­ing, Base­line, die Frage, wie man PENE ver­hin­dern kann, und Scores zur Ein­schätzung der Krankheitss­chwere bleiben offen. Chriz­zo sagt, Begriffe zu definieren sei gar nicht so ein­fach, ohne auch über alle möglichen anderen Dinge zu sprechen. Als sie über PENE rede­ten, kamen sie automa­tisch auf die Base­line, die wiederum zur Frage führt, wie man PENE über­haupt ver­hin­dern kann. Das würde man mit Pac­ing schaf­fen. Mol­ly sieht, dass ihr Tee alle ist. Sie schlägt vor, einen zweit­en Teil zu machen, in dem sie Pac­ing, Base­line und weit­ere Begriffe erk­lären.

Die Folge endet mit dem Gedanken, dass bei­de sich freuen, das Gespräch beim näch­sten Mal fortzuset­zen. Mol­ly ver­ab­schiedet sich, Chriz­zo wün­scht ihr eine gute Zeit. Die Tassen sind leer, die Liste der Begriffe noch lang, doch der Ein­stieg ist gemacht.

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