ME/CFS & Neurotransmitter: Neue Forschungsergebnisse aus Preprint

15 Kom­mentare zu ME/CFS & Neu­ro­trans­mit­ter: Neue Forschungsergeb­nisse aus Preprint

Stell dir vor, dein Kör­p­er wäre ein Orch­ester – und plöt­zlich spie­len einige Instru­mente zu laut, während andere kaum noch zu hören sind. Genau so kön­nte man sich das Geschehen im Ner­ven­sys­tem von Men­schen mit Myal­gis­ch­er Enzephalomyelitis (ME/CFS) vorstellen. Ein aktuelles wis­senschaftlich­es Preprint (eine noch nicht peer-reviewte Vor­ab­veröf­fentlichung) von Prof. Dr. Klaus J. Wirth und Prof. Dr. med. Car­men Scheiben­bo­gen aus 2026 wirft ein neues Licht auf diese unter­erforschte Erkrankung.

Warum dieser Artikel auch eine persönliche Herzensangelegenheit ist

Als Betrof­fene kenne ich die jahre­lange Odyssee durch das medi­zinis­che Sys­tem, die Stig­ma­tisierung, die Psy­chol­o­gisierung, das Ver­harm­losen unzäh­liger Symp­tome. Ich kenne das Gefühl, wenn einem sug­geriert wird, alles sei “nur psy­chisch” oder “psy­cho­so­ma­tisch”. Was mir damals den Durch­bruch — wenig­stens in Bezug auf: “alles einge­bildet?” — brachte, war die Zusam­me­nar­beit mit ein­er ganzheitlichen, funk­tionellen Medi­ziner­in – ein­er Ärztin, die Schul­medi­zin und Alter­na­tivmedi­zin vere­inte. Durch umfassende Labor­diag­nos­tik bekam ich endlich schwarz auf weiß, dass ich mir das nicht ein­bilde. Es gab zwar keinen Bio­mark­er, aber hun­derte ver­schiedene Werte, die mir zeigten, dass das, was ich wahrnehme, real ist. Nicht einge­bildet. Nicht psy­cho­so­ma­tisch. Mess­bar.

Wenn du diesen Artikel liest, möchte ich, dass du eines weißt: Deine Symp­tome sind nicht einge­bildet. Die Forschung von Frau Scheiben­bo­gen und Her­rn Wirth zeigt, dass hin­ter dem “wired but tired”-Gefühl, hin­ter den Schlaf­störun­gen, dem Brain Fog und der Überempfind­lichkeit mess­bare neu­ro­bi­ol­o­gis­che Verän­derun­gen steck­en kön­nen. Du bist nicht allein 🫶 Ich ver­ste­he dich 🙏.

“Das Gle­ichgewicht der Neu­ro­trans­mit­ter kann durch Autoan­tikör­p­er, genetis­che Prädis­po­si­tion, epi­genetis­che Mod­i­fika­tio­nen, Neu­roin­flam­ma­tion und phys­i­ol­o­gis­che Stres­soren gestört wer­den. Ein Über­wiegen exz­i­ta­torisch­er gegenüber inhibitorisch­er Neu­ro­trans­mis­sion kann zu ein­er Über­ak­tivierung des Gehirns und autonomen Dys­funk­tio­nen führen, was wiederum Folgestörun­gen zur Folge hat. Diese Prozesse tra­gen zu neu­rol­o­gis­chen Symp­tomen und Funk­tion­sstörun­gen der Skelettmusku­latur bei und kön­nen Belas­tungsin­tol­er­anz und PEM ver­schlim­mern.” Über­set­zt und nachge­bildet aus Preprint Wirth & Scheiben­bo­gen 2026

Was sind Neurotransmitter und warum sind sie so wichtig?

Bevor wir in die Tiefe gehen, eine kurze Erk­lärung: Neu­ro­trans­mit­ter sind chemis­che Boten­stoffe, die Infor­ma­tio­nen zwis­chen Ner­ven­zellen über­tra­gen. Sie sind sozusagen die “Sprache” unseres Ner­ven­sys­tems. Einige Neu­ro­trans­mit­ter wirken aktivierend (exz­i­ta­torisch), andere beruhi­gend (inhibitorisch). Das gesunde Gle­ichgewicht zwis­chen diesen bei­den Grup­pen ist entschei­dend dafür, wie wir schlafen, denken, uns bewe­gen und mit Stress umge­hen.

Das Paradox: “Wired but tired” – aufgedreht und doch erschöpft

Viele ME-Betrof­fene ken­nen dieses frus­tri­erende Gefühl: Man ist zutief­st erschöpft, kann aber trotz­dem nicht schlafen. Der Geist fühlt sich über­stim­uliert an, während der Kör­p­er nach Ruhe schre­it. Dieses Phänomen wird in der Forschung als “wired but tired” beze­ich­net – aufge­dreht, aber erschöpft.

Die neue Studie liefert eine mögliche Erk­lärung: Bei ME-Patien­ten scheinen aktivierende Neu­ro­trans­mit­ter zu dominieren, während beruhi­gende Boten­stoffe in ihrer Wirkung geschwächt sind. Dieses Ungle­ichgewicht kön­nte viele der typ­is­chen Symp­tome erk­lären.

Quelle: Befund Mol­ly 01/2022 (im vor­let­zten großen Crash), IMD Berlin

Die Hauptakteure: Welche Neurotransmitter sind betroffen?

Noradrenalin: Der Stressmanager auf Hochtouren

Das sym­pa­this­che Ner­ven­sys­tem – oft als “Kampf-oder-Flucht-Sys­tem” bekan­nt – ist bei ME-Patien­ten über­ak­tiv. Der Haupt­boten­stoff dieses Sys­tems ist Nora­dren­a­lin. Sym­pa­this­che Hyper­ak­tiv­ität, die sich unter anderem in ein­er verän­derten Herzraten­vari­abil­ität zeigt, wurde in zahlre­ichen Stu­di­en bei ME/CFS-Patien­ten nachgewiesen (Wyller et al., 2007; Nel­son et al., 2019).

Eben­falls wur­den bei vie­len auch Autoan­tikör­p­er gegen β‑adrenerge und muskarinerge Acetyl­cholin-Rezep­toren gefun­den, wobei höhere Antikör­per­spiegel mit schw­er­eren Symp­tomen und struk­turellen Verän­derun­gen im zen­tralen Ner­ven­sys­tem kor­re­lieren (Sotzny et al., 2022; Kimu­ra et al., 2023). Diese Autoan­tikör­p­er – kör­pereigene Antikör­p­er, die sich gegen die eige­nen Andock­stellen für Boten­stoffe richt­en – kön­nten das Sys­tem durcheinan­der­brin­gen und zur Fehlfunk­tion beitra­gen.

Quelle: Befund Mol­ly April 2024 (kurz vor dem grpßen Crash), IMD Berlin

Aus eigen­er Erfahrung: Diese Autoan­tikör­p­er-Prob­lematik ist auch bei mir mess­bar. In meinen Befun­den von 2022 und 2024 wur­den erhöhte Antikör­p­er gegen β1- und β2-adren­erge Rezep­toren sowie gegen M3- und M4-muskarinerge Acetyl­cholin-Rezep­toren nachgewiesen – also genau gegen jene Rezep­toren, die für Nora­dren­a­lin und Acetyl­cholin zuständig sind. Die Werte lagen teil­weise deut­lich über den Nor­m­gren­zen (z.B. β1-AAk: 49,1 U/ml bei Ref­erenz <15,0 im Jahr 2024). Das Labor merk­te an, dass solche Autoan­tikör­p­er bei etwa 30% der ME/CFS-Patien­ten gefun­den wer­den und in der Regel sig­nifikant erhöht sind. Bei mir wur­den sie über die Jahre beobachtet und durch ver­schiedene Maß­nah­men zu bee­in­flussen ver­sucht.

Ein faszinieren­des Detail: Obwohl das sym­pa­this­che Ner­ven­sys­tem über­ak­tiv ist, wurde in der Gehirn­flüs­sigkeit von Patien­ten para­dox­er­weise weniger Nora­dren­a­lin gefun­den. Wie passt das zusam­men? Die Forsch­er ver­muten, dass das Sys­tem zwar dauer­haft auf Hoch­touren läuft, aber durch die ständi­ge Über­stim­u­la­tion und unzure­ichende Energiev­er­sorgung erschöpft ist – wie ein Motor, der zu lange im roten Bere­ich läuft.

Vagusnerv: Der Ruhepol gerät ins Stocken

Während das sym­pa­this­che Ner­ven­sys­tem Gas gibt, tritt der Vagus­nerv – unser “Ruhe-und-Ver­dau­ung-Sys­tem” – auf die Bremse. Bei ME-Patien­ten ist dieser wichtige Gegen­spiel­er geschwächt. Der Vagus­nerv nutzt Acetyl­cholin als Boten­stoff und ist unter anderem für Entspan­nung, Erhol­ung und eine gute Ver­dau­ung zuständig.

Die reduzierte Aktiv­ität des Vagus­nervs kön­nte durch ver­schiedene Fak­toren bed­ingt sein, darunter eine gestörte Darm­flo­ra, die die soge­nan­nte Darm-Hirn-Achse beein­trächtigt. Diese Achse ist ein faszinieren­des Kom­mu­nika­tion­ssys­tem zwis­chen unserem Ver­dau­ungstrakt und dem Gehirn – und sie ist stark von Sero­tonin abhängig.

Quelle: Muster­be­fund Ganz Immun Dr. Kirkamm

Aus eigen­er Erfahrung: Auch die Darm-Hirn-Achse spielt in meinem Fall eine Rolle. In mehreren Stuh­lanaly­sen zwis­chen 2020 und 2021 wurde bei mir eine Dys­biose mit erhöhter Fäul­n­is­flo­ra (E. coli, Kleb­siellen) und ver­min­dert­er Säuerungs­flo­ra (Lac­to­bacillen, Enterokokken) fest­gestellt. Das sekre­torische IgA, wichtig für die Darmim­mu­nität, war zeitweise auf 424 µg/ml erniedrigt (Ref­erenz: 510‑2040). Auch Tryp­to­phan im Stuhl war mit 49,9 nmol/g reduziert (Ref­erenz: >60) – ein weit­er­er Hin­weis darauf, dass der Darm nicht genü­gend Bausteine für die Sero­tonin-Pro­duk­tion bere­it­stellen kon­nte. Mit pro­bi­o­tis­chen Maß­nah­men, geziel­ter Ernährung­sum­stel­lung und ver­schiede­nen Sup­ple­ments kon­nte sich die Sit­u­a­tion über die Jahre etwas sta­bil­isieren, auch wenn die Verbesserun­gen begren­zt blieben.

Serotonin: Wenn der Glücksbotenstoff fehlt

Sero­tonin wird oft als “Glücks­boten­stoff” beze­ich­net, aber seine Funk­tio­nen gehen weit darüber hin­aus. Es reg­uliert Stim­mung, Schlaf, Appetit und Schmerzempfind­en. Bei ME- und Long COVID-Patien­ten ist die Ver­füg­barkeit von Tryp­to­phan, dem Baustein für Sero­tonin, ver­min­dert, da Tryp­to­phan ver­stärkt in den Kynurenin-Stof­fwech­sel­weg umgeleit­et wird, der bei chro­nis­chen Entzün­dung­sprozessen aktiviert wird (Cysique et al., 2022; Guo et al., 2023).

Mehrere Fak­toren kön­nten dazu beitra­gen:

  • Eine gestörte Darm­flo­ra, die die Tryp­to­phan-Pro­duk­tion beein­trächtigt
  • Eine Umleitung von Tryp­to­phan in den Kynurenin-Weg durch Entzün­dun­gen

Aus eigen­er Erfahrung: Diese Zusam­men­hänge kenne ich auch aus mein­er eige­nen Krankengeschichte. Bei mir wur­den die Neu­ro­trans­mit­ter über Jahre hin­weg von mein­er funk­tionellen Medi­ziner­in unter­sucht und gezielt ver­sucht zu bee­in­flussen. Denn bei der ersten Mes­sung 2020 fiel auf, dass mein 5‑Hy­drox­yin­do­lessigsäure-Wert (5‑HIAA) – das Abbaupro­dukt von Sero­tonin – mit 3,65 mg/g Krea­tinin deut­lich über dem Norm­bere­ich lag (Ref­erenz: <2,40). Da ich keine SSRI-Medika­mente ein­nahm, stellte sich die beun­ruhi­gende Frage: Kön­nte das an einem Dün­ndarmkarzi­noid liegen? Zum Glück kon­nte diese Ver­dachts­di­ag­nose aus­geschlossen wer­den. Den­noch zeigt es, wie kom­plex der Sero­tonin­stof­fwech­sel bei ME/CFS sein kann – und wie wichtig eine sorgfältige Diag­nos­tik ist.

Gle­ichzeit­ig war mein Tryp­to­phan-Wert mit 4,65 mg/g Krea­tinin deut­lich unter dem Norm­bere­ich (7,30–12,50), während die Kynurenin­säure leicht erhöht war – ein Hin­weis darauf, dass mein Kör­p­er das wenige vorhan­dene Tryp­to­phan ver­stärkt in den Kynurenin-Stof­fwech­sel­weg umgeleit­et hat, statt daraus Sero­tonin zu bilden. Diese Ver­schiebung ist typ­isch bei chro­nis­chen Entzün­dung­sprozessen und kön­nte erk­lären, warum viele von uns mit Stim­mungss­chwankun­gen und Schlaf­prob­le­men kämpfen.

Inter­es­san­ter­weise bericht­en Ärzte, dass manche Patien­ten von Anti­de­pres­si­va aus der Gruppe der Sero­tonin-Wieder­auf­nah­me­hem­mer (SSRIs) prof­i­tieren – was die Hypothese eines Sero­tonin-Man­gels stützt.

GABA: Wenn die Bremse versagt

GABA (Gam­ma-Aminobut­ter­säure) ist der wichtig­ste hem­mende Neu­ro­trans­mit­ter im Gehirn. Es wirkt wie eine natür­liche Bremse, die über­schießende Ner­ve­nak­tiv­ität dämpft. Neuere Forschun­gen zeigen, dass sowohl genetis­che Vari­anten im SRRM3-Gen als auch Autoan­tikör­p­er gegen das SRRM3-Pro­tein, welch­es an der GABA-Sig­nalüber­tra­gung beteiligt ist, mit ME assozi­iert sind (Schlauch et al., 2016; Hoheisel et al., 2025). Zusät­zlich wurde in ein­er Pilot­studie über reduzierte GABA-Spiegel im Urin von Patien­ten berichtet.

Aus eigen­er Erfahrung: Die GABA-Prob­lematik zeigt sich bei mir auch auf ein­er anderen Ebene: In meinen Labor­w­erten fiel wieder­holt ein leicht erhöhter Man­gan-Spiegel auf (zulet­zt 16,2 µg/l bei ein­er Ober­gren­ze von 15,0 µg/l im Dezem­ber 2024). Das ist deshalb rel­e­vant, weil Man­gan laut Labor­bericht den GABA- und Glu­ta­math­aushalt im zen­tralen Ner­ven­sys­tem stören kann – genau das Ungle­ichgewicht, das die Forsch­er bei Myal­gis­ch­er Enzephalomyelitis beschreiben. Ob dies Zufall ist oder Teil des Puz­zles, lässt sich schw­er sagen. Es zeigt aber, dass bei ME oft viele Fak­toren zusam­menkom­men.

GABA spielt nicht nur im Gehirn eine wichtige Rolle, son­dern entspan­nt auch die Skelettmusku­latur. Ein Man­gel kön­nte daher sowohl zu den neu­rol­o­gis­chen Symp­tomen als auch zu Muskel­prob­le­men beitra­gen. Ver­mut­lich ähn­lich, wie es bei mir häu­figer vorkam (siehe Video).

Laut dem Preprint von Scheiben­bo­gen und Wirth gehören Ben­zo­di­azepine – Medika­mente, die die GABA-Wirkung ver­stärken – zu den wirk­sam­sten Behand­lun­gen für Erschöp­fung und Überempfind­lichkeit bei ME. Allerd­ings ist ihre Anwen­dung wegen des Abhängigkeit­srisikos begren­zt.

Glutamat: Wenn die Erregung überhandnimmt

Glu­ta­mat ist der wichtig­ste aktivierende Neu­ro­trans­mit­ter im Gehirn. Eine aktuelle MRT-Studie hat erhöhte Glu­ta­mat-Spiegel bei Long COVID- und ME-Patien­ten gefun­den (Tha­paliya et al. 2025). Da GABA nor­maler­weise die Glu­ta­mat-Aktiv­ität dämpft, kön­nte eine GABA-Schwäche zu diesem Anstieg beitra­gen.

Quelle: Tha­paliya et al. 2025 — The Amer­i­can Jour­nal of Med­i­cine https://doi.org/10.1016/j.amjmed.2024.04.007

Auch Neu­roin­flam­ma­tion – eine niedrig­gr­a­di­ge Entzün­dung im Ner­ven­sys­tem – kön­nte eine Rolle spie­len. Entzün­dungs­boten­stoffe bee­in­flussen Astrozyten (spezielle Stützzellen im Gehirn) die Neu­ro­trans­mit­ter aufnehmen und recyceln. Diese Zellen nehmen viel mehr Glu­ta­mat als GABA auf. Wer­den sie durch Entzün­dung gestört, ver­schiebt sich das Gle­ichgewicht zugun­sten von Glu­ta­mat.

Was verursacht dieses Ungleichgewicht?

Die Forsch­er Prof. Scheiben­bo­gen und Prof. Wirth iden­ti­fizieren mehrere mögliche Ursachen, die wahrschein­lich zusam­men­wirken:

Autoim­mu­nität: Autoan­tikör­p­er gegen ver­schiedene Rezep­toren kön­nten das Sys­tem direkt stören. Diese wur­den nicht nur gegen Adren­a­lin-Rezep­toren, son­dern auch gegen cholin­erge Rezep­toren und andere Struk­turen gefun­den.

Genetis­che Ver­an­la­gung und Epi­genetik: Manche Men­schen tra­gen genetis­che Vari­anten, die sie anfäl­liger machen. Inter­es­san­ter­weise wur­den auch epi­genetis­che Verän­derun­gen gefun­den (Reversible Markierun­gen am Erbgut, die die Genak­tiv­ität steuern, ohne die DNA-Sequenz zu ändern; sie wirken wie Schal­ter, die Gene ein- oder auss­chal­ten kön­nen und wer­den durch Umwelt­fak­toren wie Ernährung, Stress und Lebensstil bee­in­flusst).

Neu­roin­flam­ma­tion: Eine chro­nis­che, niedrig­gr­a­di­ge Entzün­dung im Ner­ven­sys­tem kön­nte die Neu­ro­trans­mit­ter-Bal­ance stören.

Darm-Hirn-Achse: Eine gestörte Darm­flo­ra kann über mehrere Wege das Ner­ven­sys­tem bee­in­flussen, unter anderem durch ver­min­derte Pro­duk­tion von Sero­tonin-Vorstufen.

Chro­nis­ch­er Stress: Ortho­sta­tis­che-Intol­er­anzen (z.B. PoTS), metabolis­ch­er Stress durch Energie­man­gel in den Muskeln, Schmerzen und psy­chosozialer Stress aktivieren ständig das sym­pa­this­che Ner­ven­sys­tem.

Wie erklärt das die Symptome?

Ein Übergewicht aktivieren­der Neu­ro­trans­mit­ter macht es dem Gehirn schw­er, in den Ruhe­modus zu schal­ten. Das erk­lärt, warum viele Erkrank­te trotz extremer Erschöp­fung nicht ein­schlafen kön­nen und einen nicht-erhol­samen Schlaf haben.

Kognitive Probleme: Der “Brain Fog”

Wenn das Gehirn ständig über­ak­tiviert ist, fällt es schw­er, sich auf eine bes­timmte Auf­gabe zu konzen­tri­eren. Es ist, als würde man ver­suchen, ein ruhiges Gespräch in einem über­füll­ten, laut­en Raum zu führen. Hinzu kommt, dass die Durch­blu­tung des Gehirns bei ME oft reduziert ist – das Gehirn braucht aber viel Energie und bekommt diese nicht aus­re­ichend geliefert.

Eine neue Studie (Weber-Fahr et al., 2026) zeigte, dass in bes­timmten Hirn­re­gio­nen von Long COVID-Patien­ten das Ver­hält­nis von ATP (dem Energie-Molekül) zu Phos­pho­kreatin gestört ist – ein direk­ter Hin­weis auf Energie­man­gel. Weniger ATP kor­re­lierte mit schlechteren kog­ni­tiv­en Leis­tun­gen.

Die Abbil­dung zeigt ein Sig­nifikantes Clus­ter im Gyrus cin­guli mit reduziertem ATP/PCr-Spiegel bei Patien­ten im Ver­gle­ich zu Kon­trollper­so­n­en. Quelle: Abbil­dung 2. (Weber-Fahr et al., 2026)

Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen

Die Forsch­er ver­muten, dass eine Über­ak­tivierung der vorderen Insu­la – ein­er Hirn­re­gion, die zum soge­nan­nten Salien­znet­zw­erk gehört – dafür ver­ant­wortlich sein kön­nte. Dieses Net­zw­erk bew­ertet, welche Reize wichtig sind und Aufmerk­samkeit ver­di­enen. Bei ME- scheint es eine niedrigere Schwelle zu haben und auf harm­lose Reize über­mäßig zu reagieren.

Das ver­stärk­te Ein­tr­e­f­fen von Sin­nesin­for­ma­tio­nen kann dann nicht richtig ver­ar­beit­et wer­den, weil die Gehirn­durch­blu­tung reduziert ist – ein Teufel­skreis aus Über­flu­tung und unzure­ichen­der Ver­ar­beitung.

Muskelprobleme: Von Schwäche bis zu Krämpfen

Auch die Skelettmusku­latur wird durch Neu­ro­trans­mit­ter ges­teuert. Nora­dren­a­lin und Glu­ta­mat erhöhen den Muskel­tonus (die Grundspan­nung), während GABA ihn senkt. Ein Ungle­ichgewicht zugun­sten der aktivieren­den Boten­stoffe kön­nte zu erhöhtem Muskel­tonus führen.

In ein­er früheren Veröf­fentlichung haben die Autoren argu­men­tiert, dass die Muskelzellmem­bran bei schw­er betrof­fe­nen Patien­ten depo­lar­isiert ist – also nicht mehr ihre nor­male elek­trische Span­nung hat. Dies macht die Muskelzellen überempfind­lich. In Kom­bi­na­tion mit erhöhtem Muskel­tonus durch Neu­ro­trans­mit­ter-Ungle­ichgewicht kön­nen unangemessene Erre­gun­gen entste­hen, die sich als Fasziku­la­tio­nen (Muskelzuck­en) und Krämpfe äußern.

Diese abnor­malen Erre­gun­gen führen zu Natri­um-Ein­strom und Kali­um-Ausstrom, was die ohne­hin schon gestresste Natri­um-Kali­um-Pumpe (Na+/K+-ATPase) weit­er belastet. Kann diese Pumpe die nor­male Mem­branspan­nung nicht wieder­her­stellen, kommt es zu Kalz­i­um-Über­ladung und let­ztlich zu Schä­den an den Mito­chon­drien (den Kraftwerken der Zelle).

Therapeutische Ansätze: Versuch einer Neubalancierung

Inter­es­san­ter­weise wer­den bere­its ver­schiedene Medika­mente empirisch bei ME/CFS einge­set­zt, die genau auf diese Neu­ro­trans­mit­ter-Sys­teme abzie­len:

  • Cloni­din und Betablock­er: Dämpfen das über­ak­tive nora­dren­erge Sys­tem
  • Pyri­dostig­min: Ver­stärkt die Wirkung von Acetyl­cholin und kann sowohl das sym­pa­this­che als auch das parasym­pa­this­che Sys­tem unter­stützen
  • SSRIs: Erhöhen die Ver­füg­barkeit von Sero­tonin
  • Ben­zo­di­azepine: Ver­stärken die GABA-Wirkung
  • Anti­his­t­a­mini­ka: Block­ieren die Wirkung von His­t­a­min
  • Meman­tine oder Dex­tromethor­phan: Block­ieren NMDA-Glu­ta­mat-Rezep­toren
  • Low-Dose-Nal­trex­on (LDN): Kön­nte indi­rekt die GABA-Freiset­zung verbessern

Allerd­ings – und das ist wichtig zu beto­nen – zeigt bish­er keines dieser Medika­mente eine durch­schla­gende Wirk­samkeit bei allen Patien­ten. Die Forsch­er ver­muten, dass dies mehrere Gründe hat:

Erstens ist ME/CFS sehr viel­seit­ig (und indi­vidu­ell)– nicht bei jedem Patien­ten sind diesel­ben Neu­ro­trans­mit­ter-Sys­teme gle­ich stark betrof­fen. Zweit­ens ist die Erkrankung, sobald sie sich etabliert hat, ein kom­plex­es Sys­tem aus sich selb­st ver­stärk­enden Mech­a­nis­men gewor­den, bei denen Mito­chon­drien-Dys­funk­tion, Durch­blu­tungsstörun­gen und oxida­tiv­er Stress eine eigene Dynamik entwick­eln.

Ausblick: Was bedeutet das für die Zukunft?

Diese Forschungsar­beit ist keine Peer-Review-Studie mit neuen exper­i­mentellen Dat­en, son­dern eine Über­sicht­sar­beit, die vorhan­dene Puz­zleteile zusam­men­fügt. Den­noch bietet sie eine kohärente Erk­lärung für viele bish­er rät­sel­hafte Aspek­te von ME.

Die Autoren fordern sys­tem­a­tis­che Unter­suchun­gen, um zu klären:

  • Welche Neu­ro­trans­mit­ter-Sys­teme bei welchen Patien­ten betrof­fen sind
  • Ob es Sub­grup­pen von Patien­ten mit unter­schiedlichen Neu­ro­trans­mit­ter-Pro­filen gibt
  • Wie man indi­vid­u­al­isierte Ther­a­pi­en entwick­eln kann, die auf das spez­i­fis­che Pro­fil jedes Patien­ten zugeschnit­ten sind

Ein beson­ders span­nen­der Aspekt ist die Frage, ob die Neu­ro­trans­mit­ter-Störung eine Ursache oder eine Folge der Erkrankung ist – oder bei­des. Möglicher­weise schaf­fen ver­schiedene Fak­toren (Autoim­mu­nität, Infek­tion, Stress, genetis­che Ver­an­la­gung) eine Vul­ner­a­bil­ität für ein Neu­ro­trans­mit­ter-Ungle­ichgewicht, das dann, ein­mal etabliert, durch die Symp­tome der Erkrankung selb­st weit­er ver­stärkt wird.

Let­zteres ist auch meine per­sön­liche Ver­mu­tung, die aus mein­er laien­haften Beobach­tung mein­er eige­nen Krankengeschichte, resul­tiert.

Was können Betroffene mit diesen Informationen anfangen?

Aus eigen­er Erfahrung: In meinem Fall hat die Diag­nos­tik der Neu­ro­trans­mit­ter und ihrer Störun­gen tat­säch­lich geholfen, meine Symp­tome bess­er zu ver­ste­hen. Durch gezielte Sup­ple­men­tierung (z.B. L‑Tryptophan, Pro­bi­oti­ka, Mikro­nährstoffe wie Mag­ne­sium, Zink, Kreatin und zahlre­ichen weit­eren) sowie anderen ther­a­peutis­chen Maß­nah­men kon­nten zumin­d­est einige Para­me­ter (immer mal wieder) bee­in­flusst wer­den. Die Verbesserun­gen waren allerd­ings begren­zt, schwank­end und zeigten, wie hart­näck­ig diese Störun­gen sind, wenn sie sich ein­mal etabliert haben.

Was mir aber vielle­icht am meis­ten geholfen hat, war nicht die Verbesserung einzel­ner Labor­w­erte, son­dern die Vali­dierung. Nach Jahren der Stig­ma­tisierung, nach unzäh­li­gen Arztbe­suchen, bei denen mir sug­geriert wurde, alles sei psy­cho­so­ma­tisch, wur­den mir endlich mess­bare, objek­tive Beweise dafür geliefert, dass in meinem Kör­p­er tat­säch­lich etwas nicht stimmt. Keine einzel­ner Labor­w­erte erk­lärt ME, aber hun­derte auf­fäl­lige Werte zusam­men zeich­nen ein Bild, das unbe­stre­it­bar ist.

Diese Erken­nt­nisse dieses Preprints vali­dieren die Erfahrun­gen viel­er Patien­ten. Das “wired but tired”-Gefühl, die Schlaf­störun­gen, die Überempfind­lichkeit und all das, sind keine Ein­bil­dun­gen.

Wichtig ist aber auch: Jed­er Men­sch ist anders, und was dem einen hil­ft, kann beim anderen wirkungs­los sein oder sog­ar schaden.

Die Forsch­er beto­nen, dass viele Patien­ten schlecht auf Medika­mente reagieren und dass deshalb niedrig­ste Anfangs­dosen, langsame Steigerung und große Geduld nötig sind. (Aber auch das wis­sen viele von uns aus dem Aus­tausch in Selb­sthil­fe­grup­pen und Ähn­lichem.)

„Darüber hin­aus scheinen viele Patien­ten auf eine erhöhte sym­pa­this­che Aktivierung als Kom­pen­sa­tion­s­mech­a­nis­mus zurück­zu­greifen, um metabolis­ch­er Erschöp­fung und ortho­sta­tis­ch­er Dys­funk­tion ent­ge­gen­zuwirken. Obwohl diese per­sistierende sym­pa­this­che Über­ak­tivierung kurzfristig eine funk­tionelle Kom­pen­sa­tion ermöglichen mag, trägt sie wahrschein­lich zur Aufrechter­hal­tung und Ver­schlechterung der Erkrankung im Laufe der Zeit bei. Fol­glich kann die Reduk­tion der sym­pa­this­chen Über­ak­tiv­ität mit Sym­pa­tholyti­ka bei manchen Patien­ten von Vorteil sein, während sie bei anderen die Symp­tome und die funk­tionelle Beein­träch­ti­gung ver­schlim­mern kann.“ (Wirth & Scheiben­bo­gen, 2026)

Zusammenfassung

Das Gehirn ist ein empfind­lich­es Orch­ester chemis­ch­er Boten­stoffe. Bei ME und Long COVID scheint dieses Orch­ester aus dem Takt ger­at­en zu sein: Aktivierende Neu­ro­trans­mit­ter dominieren, während beruhi­gende in den Hin­ter­grund treten. Dieses Ungle­ichgewicht kön­nte viele der quälen­den Symp­tome erk­lären – von Schlaf­störun­gen über kog­ni­tive Prob­leme bis hin zu Muskelschwäche.

Die Ursachen sind wahrschein­lich vielfältig und umfassen Autoim­mu­nität, Entzün­dun­gen, genetis­che Fak­toren und chro­nis­chen Stress. Ther­a­peutisch gibt es erste Ansätze, aber noch keine Durch­brüche. Die Zukun­ft liegt möglicher­weise in ein­er per­son­al­isierten Medi­zin, die das indi­vidu­elle Neu­ro­trans­mit­ter-Pro­fil jedes Patien­ten berück­sichtigt.

Was bleibt, ist Hoff­nung: Je bess­er wir die biol­o­gis­chen Mech­a­nis­men ver­ste­hen, desto geziel­ter kön­nen wir nach Lösun­gen suchen. Diese Forschungsar­beit ist ein wichtiger Schritt in diese Rich­tung. Die erneut zeigt, dass ME keine psy­cho­so­ma­tis­che Erkrankung ist, son­dern eine kom­plexe neu­ro­bi­ol­o­gis­che Störung, die ern­sthafte wis­senschaftliche Aufmerk­samkeit ver­di­ent und bekommt.

Schreib mir gern in die Kom­mentare ob du ähn­liche oder Erfahrun­gen gemacht hast und ob dir der Artikel gefall­en oder geholfen hat.

Deine Mol­ly


Hin­weis: Dieser Artikel basiert auf ein­er wis­senschaftlichen Über­sicht­sar­beit (Preprint) und dient der Infor­ma­tion. Er erset­zt keine medi­zinis­che Beratung. Betrof­fene soll­ten ther­a­peutis­che Entschei­dun­gen immer mit ihren behan­del­nden Ärzten besprechen.


Quellen

Hauptquelle (Preprint):

Wirth, K. J., & Scheiben­bo­gen, C. (2026). Imbal­ance of Exci­ta­to­ry and Inhibito­ry Neu­ro­trans­mit­ter Sys­tems in Myal­gic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syn­drome [Preprint]. Preprints.org. https://doi.org/10.20944/preprints202601.2170.v1

Wichtiger Hin­weis: Bei diesem Artikel han­delt es sich um ein Preprint – eine wis­senschaftliche Vor­ab­veröf­fentlichung, die noch nicht das for­male Peer-Review-Ver­fahren durch­laufen hat. Die Ergeb­nisse soll­ten daher als vor­läu­fig betra­chtet wer­den, auch wenn sie auf ein­er umfassenden Lit­er­atur­recherche basieren.


Zitierte Studien aus dem Preprint, Reihenfolge der Nennung in diesem Artikel:

Sotzny et al., 2022
Sotzny, F., Filgueiras, I. S., Kedor, C., Fre­itag, H., Wit­tke, K., Bauer, S., Sepúlve­da, N., et al. (2022). Dys­reg­u­lat­ed autoan­ti­bod­ies tar­get­ing vaso- and immunoreg­u­la­to­ry recep­tors in Post COVID Syn­drome cor­re­late with symp­tom sever­i­ty. Fron­tiers in Immunol­o­gy, 13, 1012877. https://doi.org/10.3389/fimmu.2022.981532

Kimu­ra et al., 2023
Kimu­ra, Y.; Sato, W.; Maikusa, N.; Ota, M.; Shige­mo­to, Y.; Chi­ba, E.; Ari­zona, E.; Maki, H.; Shin, ich.; Amano, K.; Mat­su­da, H.; Yama­mu­ra, T.; Sato, N. Durch freies Wass­er kor­rigierte Dif­fu­sion und adrenerge/muskarinische Antikör­p­er bei myal­gis­ch­er Enzephalomyelitis/chronischem Müdigkeitssyn­drom. Jour­nal of Neu­roimag­ing 2023 , 33 , 845–851. https://doi.org/10.1111/jon.13128

Wyller et al., 2007
Wyller, VB; Saul, J; Amlie, JP; Thaulow, E. Sym­pa­this­che Dom­i­nanz der kar­dio­vaskulären Reg­u­la­tion bei leichtem ortho­sta­tis­chem Stress bei Jugendlichen mit chro­nis­ch­er Müdigkeit. Clin­i­cal phys­i­ol­o­gy and func­tion­al imag­ing 2007 , 27 , 231–238.  https://doi.org/10.1111/j.1475–097X.2007.00743.x

Nel­son et al., 2019
Nel­son, MJ; Bahl, JS; Buck­ley, JD; Thom­son, RL; Davi­son, K. Hin­weise auf eine verän­derte kar­diale autonome Reg­u­la­tion bei Myal­gis­ch­er Enzephalomyelitis/Chronischem Erschöp­fungssyn­drom: Eine sys­tem­a­tis­che Über­sicht­sar­beit und Meta­analyse. 
Med­i­cine 2019 , 98 , e17600. https://doi.org/10.1097/MD.0000000000017600

Cysique et al., 2022
Cysique, LA; Jak­abek, D.; Brack­en, SG; Allen-David­i­an, Y.; Heng, B.; Chow, S.; Dehhaghi, M.; Pires, AS; Dar­ley, DR; Byrne, A. Postakute kog­ni­tive Beein­träch­ti­gung und Ver­schlechterung nach COVID-19 kor­re­lieren ein­deutig mit der Aktivierung des Kynurenin-Stof­fwech­sel­wegs: eine lon­gi­tu­di­nale Beobach­tungsstudie ; Medrx­iv, 2022-06. https://doi.org/10.1101/2022.06.07.22276020

Guo et al., 2023
Guo, L.; Appel­man, B.; Mooij-Kalver­da, K.; Houtkoop­er, RH; van Weeghel, M.; Vaz, FM; Dijkhuis, A.; Dekker, T.; Smids, BS; Duit­man, JW Ver­längerte Indoleamin-2‑, 3‑Dioxy­ge­nase-2-Aktiv­ität und damit ver­bun­den­er zel­lulär­er Stress bei postakuten Fol­gen ein­er SARS-CoV-2-Infek­tion. 
EBio­Med­i­cine 2023 , 94 . https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2023.104729

Schlauch et al., 2016
Schlauch, KA; Khai­boul­li­na, SF; De Meir­leir, KL; Rawat, S; Petere­it, J; Riz­vanov, AA; Blatt, N; Mija­tovic, T; Kulick, D; Palotás, A. Genomweite Assozi­a­tion­s­analyse iden­ti­fiziert genetis­che Vari­a­tio­nen bei Patien­ten mit Myal­gis­ch­er Enzephalomyelitis/Chronischem Erschöp­fungssyn­drom. 
Trans­la­tion­al Psy­chi­a­try 2016 , 6 , e730–e730. https://doi.org/10.1038/tp.2015.208

Hoheisel et al., 2025
Hoheisel, F.; Fleis­ch­er, KM; Rubarth, K.; Sepúlve­da, N.; Bauer, SM; Koni­etschke, F.; Kedor, C.; Stein, AE; Wit­tke, K.; Seifert, M. Explo­rative Studie zu Autoan­tikör­pern gegen argin­in­re­iche humane Pep­tide, die das Epstein-Barr-Virus imi­tieren, bei Frauen mit Post-COVID-19 und Myal­gis­ch­er Enzephalomyelitis/Chronischem Erschöp­fungssyn­drom. 
Fron­tiers in Immunol­o­gy 2025 , 16 , 1650948. https://doi.org/10.3389/fimmu.2025.1650948

Tha­paliya et al. 2025
Tha­paliya, K.; Mar­shall-Gradis­nik, S.; Eaton-Fitch, N.; Eftekhari, Z.; Inderyas, M.; Barn­den, L. Ungle­ichgewicht der Neu­ro­trans­mit­ter im Gehirn bei Long COVID und ME/CFS: eine Vorstudie mit­tels MRT. The Amer­i­can Jour­nal of Med­i­cine 2025 , 138 , 567–574. https://doi.org/10.1016/j.amjmed.2024.04.007

Weber-Fahr-et al., 2026
Weber-Fahr, W.; Dommke, S.; Sack, M.; Alzein, N.; Beck­er, R.; Demi­rak­ca, T.; Ende, G.; Schilling, C. Reduzierte ATP-zu-Phos­pho­kreatin-Ver­hält­nisse bei neu­ropsy­chi­a­trischen Post-COVID-Symp­tomen: Evi­denz aus der 31P-Mag­ne­tres­o­nanzspek­troskopie. Bio­log­i­cal Psy­chi­a­try , 2026. https://doi.org/10.1016/j.biopsych.2026.01.004

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15 Kommentare zu „ME/CFS & Neurotransmitter: Neue Forschungsergebnisse aus Preprint“

  1. Liebe Mol­ly,

    vielen,vielen lieben Dank für deine fre­undliche Antwort. Ich bin froh, dass ich den Mut gefun­den habe, dich zu fra­gen. Es berührt mich sehr, was Du geschrieben hast und ich habe erst­mals das Gefühl mit dieser Antwort zu einem inneren Frieden kom­men zu kön­nen.
    Auch Euer Pod­cast hil­ft mir sehr, mich nicht so sehr allein zu fühlen mit der Erkrankung und den großen Ein­schränkun­gen.

    Ich wün­sche Dir alles Gute und auch liebe Grüße an Chriz­zo, Clau­dia

  2. Liebe Mol­ly,

    ein sehr hil­fre­ich­er Artikel von dir, vie­len lieben Dank! Trotz­dem zum Teil schw­er zu ver­ste­hen (auf­grund mein­er Ein­schränkun­gen) und daher werde ich es bes­timmt mehrfach lesen. Eine Frage beschäftigt mich schon einige Zeit: Wie sind angesichts solch­er Forschungsergeb­nisse Mind-Body-Pro­gramme und Brain Retrain­ings einzuord­nen? Ich habe mit viel Hoff­nung und Ein­satz das Gup­ta-Pro­gramm gemacht und lei­der keine Verbesserun­gen. Es ist aber sei­ther das Gefühl geblieben, „selb­st schuld“ zu sein, es nicht gut genug gemacht zu haben. Es würde mich sehr inter­essieren, wie Du zu solchen Pro­gram­men stehst. Machst Du „Somat­ic Expe­ri­ence“ und ähn­lich­es? Laut Gup­ta sind solche wie die o.g. Befunde nur Fol­gen des „Loop in the Brain“ und des über­ak­tiv­en Fight-/Flight-Sys­tems. Ich bin immer noch unsich­er. Das ist sich­er aber auch Folge des 20-jähri­gen Psy­chol­o­gisierens der Erkrankung durch meine Ärzte… Liebe Grüße Clau­dia

    1. Liebe Clau­dia,
      danke für deine Offen­heit und für dein Lob.

      Ja, die Psy­chol­o­gisierung hat mich auch lange Zeit glauben lassen, dass ich bes­timmt wieder gesund werde, wenn ich mich nur genug anstrenge. Lei­der knüpfen an genau diesen Glaubenssatz viele solch­er Pro­gramme an. Das Prob­lem ist oft­mals gar nicht (unbe­d­ingt) das Pro­gramm selb­st, son­dern die Sug­ges­tion: Wenn du nicht wieder gesund gewor­den bist, hast du es nicht richtig gemacht.

      Es hat lange Zeit und viel von meinem Mut gekostet, mich davon freizu­machen.

      Prinzip­iell ste­he ich zunächst allen möglichen Ansätzen offen gegenüber und schaue sie mir genauer an. Ab dem Punkt, an dem bei „Mis­ser­folg” oder Ver­schlechterung von Eigen­ver­schul­dung gesprochen wird („dann machst du es nicht richtig” oder „dein Wille ist nicht stark genug”) und das Pro­gramm selb­st „fehler­frei” und „für jed­er­mann geeignet” scheint – ab diesem Punkt schenke ich dem Ver­fahren keine weit­ere Beach­tung.

      Nach meinem heuti­gen Wis­sen gehe ich davon aus, dass die mul­ti­fak­to­rielle schwere Erkrankung Myal­gis­che Enzephalomyelitis (ME) aus ein­er Kaskade von unglück­lichen Umstän­den ent­standen ist – und wenn über­haupt – nur durch mul­ti­fak­to­rielle Inter­ven­tio­nen in Schach gehal­ten bzw. geheilt wer­den kann.

      Ich spüre die tat­säch­lich frag­men­tierten Mito­chon­drien – als direk­ten Energiev­er­lust und unmit­tel­bare Schmerzen – die Prof. Bhu­pesh Prusty in seinem Labor mit­tler­weile gut nach­weisen kann. Er gab gezüchteten gesun­den Zel­lkul­turen Autoan­tikör­p­er aus dem Blut von ME-Patien­ten hinzu und diese gesun­den Mito­chon­drien frag­men­tierten nach 24 bis 48 Stun­den. Dadurch ist die Energiebere­it­stel­lung (ATP-Ver­sorgung) nicht mehr gewährleis­tet und erk­lärt den PEM/PENE-Mech­a­nis­mus.

      Ich per­sön­lich glaube nicht, dass dieses Phänomen rein auf eine Dys­bal­ance des Ner­ven­sys­tems zurück­zuführen ist. Ich denke, dass Viren diese Schä­den anricht­en und dann eine Kaskade von schlecht­en Prozessen begin­nt, die sich gegen­seit­ig bedin­gen (Teufel­skreis). Ich denke, es ist sich­er richtig, an mehreren dieser Stellen (Immun­sys­tem, Ner­ven­sys­tem, Mito­chon­drien) anzuset­zen, um die Kaskade zu stop­pen.

      Ich wün­sche dir von Herzen, dass du die richti­gen Hil­fen für dich find­est.

      Liebe Grüße Mol­ly

  3. 🙏Vie­len Dank für die umfan­gre­iche Darstel­lung der Ein­flüsse / Behand­lungsmöglichkeit­en von ME sowie die Auswerung des PrePrints von Scheiben­bo­gen / Wirth.
    Inter­es­sant war eben­so der Link zwis­chen Deinen Auf­fäl­ligkeit­en und denen durch Forsch­er ermit­tel­ten.

    1. Ja, sehr span­nend. Auch wenn diese Art der Labor­w­erte noch ins­ge­samt in den Kinder­schuhen steck­en.
      Andere Labore erfassen z.B. auch die funk­tionellen Autoan­tikör­p­er, also die, die tat­säch­liche biol­o­gis­che Aktiv­ität zeigen.

      Das war mit der Bes­tim­mung im IMD Berlin nicht so. Dort misst man mit dem ELISA-Tests (Enzyme-linked Immunosor­bent Assay) für G‑Pro­tein-gekop­pelte Rezep­toren­quan­ti­ta­tive Werte, die wiederum sich gut für Ver­laufs­beobach­tun­gen eignen. Ein ELISA zeigt zwar an, dass und wie viel Antikör­p­er vorhan­den sind, aber oft nicht, ob sie funk­tionell (stimulierend/blockierend) sind.

      Wobei man in der erwäh­n­ten Studie von Sotzny et al., 2022 eben­falls diese AAks mit­tels ELISA-Tests bes­timmte.

  4. Das ist sehr inter­es­sant, liebe Mol­ly, und es schafft, ganz viele der typ­is­chen Beschw­er­den in einen Zusam­men­hang zu brin­gen. Und ich frage mich, wie du das alles so gut geord­net und ver­ständlich zusam­men­stellen kon­ntest — Cha­peau! 🎩

  5. Tausend Dank liebe Mol­ly für diese sehr ver­ständliche und gründliche Erk­lärung und Zusamm­n­fas­sung, und dass Du auch Deine per­sön­lichen Erfahrun­gen teilst.
    🙏🏻
    Das erk­lärt mir vieles noch bess­er und bestätigt meinen Ver­dacht, aktuell bin ich beson­ders auf der „His­t­a­min-Spur“ und bemerke, dass es einen echt­en Unter­schied macht, da auszu­gle­ichen (Ernährung sowieso, aber auch Cet­i­rizin, Daosin etc.)

    Ich werde mir das ver­suchen auszu­druck­en und mal an meine Neu­rolo­gin schick­en (obwohl sie nicht so offen ist wie Deine Ärztin lei­der).

    Also vie­len lieben Dank für all Dein Engage­ment und Deine Mühe!

    1. Sehr gern, liebe Clau­dia.
      Es freut mich, dass es dir hil­ft. Meine ganzheitliche Ärztin von damals (Pri­vatärztin) ist lei­der mit­tler­weile zu teuer gewor­den.
      Aber prinzip­iell würde ich es für eine erste vol­lum­fängliche Labor­diag­nos­tik wieder machen. Ein­fach um genau solche Stellschrauben wie His­t­a­min z. B. zu erken­nen. (Oder auch der umfan­gre­iche LTT auf Nahrungsmit­tel Typ 4 Allergien, hat mir später gut geholfen).
      Ich drück dir die Dau­men, dass deine Ärztin gewil­lt ist wirk­lich zu helfen 🫶🙏

  6. Danke für diesen tollen Artikel, liebe Mol­ly! Ich finde das alles sehr plau­si­bel und finde mich total wieder, auch in Bezug auf eventuelle genetis­che Vor­be­las­tung bzw. jahrzehn­te­lang erlernte/genutzte Mech­a­nis­men. Span­nend wäre noch, die Rolle von Dopamin genauer zu beleucht­en, denn es gibt ja eine Kor­re­la­tion mit ME und ADHS, die kein Zufall sein kann. Es ist so gut, dass endlich Bewe­gung in die ganze Sache kommt…

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