
Als ich mich vor Kurzem auf meinen nächsten Arztbesuch vorbereitete, schrieb ich mir wie immer die wichtigsten Punkte auf. Was sind aktuell meine größten Hürden? Womit habe ich am meisten zu kämpfen? Da ploppten sie wieder auf: die persistierenden Herpesviren, die Staphylokokken und vor allem meine massiven gastrointestinalen Beschwerden.
Myalgische Enzephalomyelitis (ME/CFS) ist eine schwere Multisystemerkrankung. Oftmals “sammeln” wir Erkrankten, Symptome und Begleiterkrankungen, wie andere Kühlschrankmagnete aus ihren Urlaubsorten. Eine typische Komorbidität (Begleiterkrankung) ist das Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS). Zwar wurde es bei mir nie abschließend durch eine aufwändige Punktion diagnostiziert, doch die Symptomatik sprach Bände. Bei meinen Recherchen zur Vorbereitung auf den Arzttermin stieß ich im American Journal of Medical Sciences auf eine retrospektive Fallserie, die mich aufhorchen ließ.
Dort wurde der Einsatz von sogenannten GLP-1-Rezeptoragonisten bei MCAS untersucht. Von 47 Behandelten aus den USA und Deutschland verzeichneten rund 89 Prozent (42 Personen) eine deutliche Verbesserung ihrer Mastzellsymptomatik. Sie berichteten über einen Rückgang von Magen-Darm-Beschwerden, Brainfog, Schmerzen und Erschöpfung. Interessant war auch, dass 93 Prozent der Responder zwar an Gewicht verloren, es aber bei niemandem zu einem gefährlichen Untergewicht kam.
Diese Daten und der Artikel von einer der Co-Autorin Dr. Katja Aschenbrenner weckten meine Neugier. Was genau machen diese Medikamente, die primär als „Abnehmspritze“ oder zur Behandlung von Diabetes Typ 2 bekannt sind, mit unserem neuroimmunologischen System?
Was sind GLP-1-Rezeptoragonisten?
GLP‑1 (Glucagon-like Peptide‑1) ist ein natürliches Hormon, das nach der Nahrungsaufnahme im Darm ausgeschüttet wird. Es reguliert die Insulinausschüttung, verlangsamt die Verdauung und reduziert den Appetit. Medikamente wie Semaglutid oder Tirzepatid ahmen dieses Hormon nach.
| Wirkstoff (Beispiel) | Wirkmechanismus |
|---|---|
| Semaglutid (z. B. Ozempic, Wegovy) | Ein sogenannter GLP-1-Rezeptor-Agonist. Er ahmt das natürliche Hormon GLP‑1 nach, steigert die Insulinsekretion, verlangsamt die Magenentleerung und signalisiert dem Gehirn Sättigung. |
| Liraglutid (z. B. Saxenda) | Ebenfalls ein GLP-1-Rezeptor-Agonist, der jedoch täglich gespritzt werden muss und eine etwas kürzere Wirkdauer als Semaglutid hat. |
| Tirzepatid (z. B. Mounjaro und Zepbound von Eli Lilly) | Ein dualer Agonist. Er wirkt sowohl auf den GLP‑1- als auch auf den GIP-Rezeptor. Durch diese Kombination wird der Blutzucker noch stärker gesenkt und die Gewichtsabnahme ist oft noch ausgeprägter. |
Wenige Tage nach meiner Recherche, am 16. April 2026, nahm ich an einem Webinar der amerikanischen Patientenorganisation Solve M.E. teil. Dort hielt Prof. Dr. Carmen Scheibenbogen vom Institut für Medizinische Immunologie der Charité Berlin einen wegweisenden Vortrag über die Pathomechanismen bei ME und die Rationale für den Einsatz von GLP‑1.
Sie skizzierte die drei zentralen Säulen der Erkrankung:
- Das fehlgeleitete Immunsystem: Eine Subgruppe der Erkrankten bildet Autoantikörper gegen G‑Protein-gekoppelte Rezeptoren und neuronale Strukturen. Forschende konnten nachweisen, dass IgG-Komplexe von Betroffenen in Endothelzellen eindringen, sich an Mitochondrien binden und deren Struktur fragmentieren, was zu einem massiven Einbruch der zellulären Energiereserven führt. Zudem gibt es klare Evidenz für Neuroinflammation.
- Die autonome Dysfunktion: Bei der Mehrheit der Erkrankten liegt eine Überaktivität des Sympathikus vor. Gleichzeitig zeigen Untersuchungen eine endotheliale Dysfunktion: Die Kapillaren in der Muskulatur weisen verdickte Basalmembranen auf. Das Lumen verengt sich, wodurch weniger Blut fließen kann. Sauerstoff, Nährstoffe und der Abtransport von Stoffwechselprodukten sind stark eingeschränkt.
- Die metabolische Dysfunktion: Die Insulinrezeptoren an den Zellen arbeiten nicht adäquat. Anstatt Glukose im Zitratzyklus effizient zur Energiegewinnung zu nutzen, weicht der Stoffwechsel auf die ineffiziente Glykolyse aus – es entsteht vermehrt Laktat. Eine unzureichende ATP-Produktion ist die Folge.
GLP-1-Rezeptoragonisten setzen genau an diesen drei Punkten an. Sie wirken antiinflammatorisch und können Neuroinflammation reduzieren. Sie verbessern die endotheliale Funktion und die Kapillardurchblutung. Und sie stabilisieren den Stoffwechsel, indem sie die Insulinsensitivität erhöhen.
Evidenz in weiteren Forschungsgebieten
Neben der Studie zu MCAS verwies Prof. Scheibenbogen auf Daten aus der Fibromyalgie-Forschung. Hier zeigten Erkrankte unter GLP-1-Therapie deutlich weniger chronische Schmerzen, weniger Erschöpfung und signifikant niedrigere Entzündungsmarker. Aus diesen Gründen startet die Charité nun eine Observationsstudie (Beobachtungsstudie) mit Semaglutid bei erwachsenen Erkrankten. Parallel dazu läuft in den USA unter der Leitung von Scripps eine groß angelegte, placebokontrollierte Studie mit Tirzepatid an 1.000 Post-COVID-Erkrankten.
Ich dachte mir, wenn man in den Staaten eine qualitativ so hochwertige und zugleich so groß angelegte Studie finanziert, muss es genügend bisherige Evidenz für ein positives Outcome geben.
Prof. Scheibenbogen verwies außerdem auf ein Gespräch, das Dr. David Kaufman und Dr. Tanya Dempsey im Rahmen des Renegade Research Clinicians Round Table geführt hatten. Und die Beiden sind sich einig: Long COVID und ME sind außerordentlich komplexe Multisystemerkrankungen – und es wird keinen einzelnen Wirkstoff geben, der sie heilt. GLP‑1/GIP-Agonisten verstehen sie vielmehr als ein vielversprechendes, gut verträgliches Werkzeug innerhalb eines kombinierten, individualisierten Therapieansatzes. Ein Vergleich, den Dr. Kaufman zog und ich treffend finde: der Durchbruch in der HIV-Therapie kam nicht durch ein einzelnes Medikament, sondern durch Kombinationstherapie.

Der Selbstversuch: Mikrodosierung und erste Hürden
Zu diesem Zeitpunkt war ich — mal wieder — an diesem Punkt: Ich will, dass sich jetzt was ändert. Ich war ungeduldig und hatte die Nase voll, dass mein aktueller Crash nun bald zwei Jahre anhält. Ich ließ mir von meinem behandelnden Arzt Ozempic (Semaglutid 0,25 mg) off-label verschreiben und trug die Kosten von rund 100 Euro für vier Wochen selbst. Am 25. April 2026 setzte ich die erste Injektion.

An dieser Stelle muss ich eine eindringliche Warnung aussprechen: Ich startete direkt mit der Dosis von 0,25 mg (das entspricht bei meinem Pen 19 Klicks). Aus heutiger Sicht und nach Durchsicht entsprechender Empfehlungen im Diabetes Care Journal würde ich das nicht wieder tun. Gerade für Menschen mit ME, die häufig auch unter einer multiplen Chemikalien-Sensitivität (MCS) leiden und extrem empfindlich auf Substanzen reagieren, ist “Microdosing” essenziell.
- Viele Betroffene beginnen mit extrem geringen Dosen, teils nur 0,02 mg oder 3 Klicks, und steigern die Dosis über Monate in minimalen Schritten.
- GLP-1-Agonisten sind nicht für jeden geeignet. Strikte Kontraindikationen sind unter anderem ein medulläres Schilddrüsenkarzinom, akute Pankreatitis, schwere Gastroparese, Schwangerschaft und Stillzeit.
- Bei Untergewicht oder einer starken orthostatischen Dysregulation (wie POTS) ist extreme Vorsicht geboten. Übelkeit und Appetitverlust können schnell zu Dehydration führen und Kreislaufprobleme massiv verschärfen.

Nebenwirkungen
Ich spritzte das Medikament abends, in der Hoffnung, mögliche Nebenwirkungen einfach wegschlafen zu können. Nach knapp 30 Minuten stellten sich Übelkeit und leichter Schwindel ein. Was dann folgte, war eine bizarre neurologische Erfahrung: Ein diffuses Gefühl des körperlichen Aufgelöstseins. Meinem Mann, der mir abends oft die Füße massiert, wollte ich in dieser Nacht instinktiv einen “dritten Fuß” entgegenstrecken. Mein Körper schien seine eigenen Grenzen verloren zu haben. (Interessanterweise las ich in einer großen Austauschgruppe von 300 Betroffenen später, dass zwei weitere Personen exakt dieses körperliche Aufgelöstsein erlebten).
Zum Glück verschwand dieser Zustand rasch. Am nächsten Tag war davon nichts mehr zu spüren — auch nicht bei den nächsten Spritzen. Am ersten Morgen reagierte mein Magen extrem gereizt. Die routinemäßige Einnahme meiner Supplemente brachte mich an den Rand des Erbrechens.
Das Aciclovir-Intermezzo und das Herzfrequenz-Paradoxon
Meine Situation war zudem dadurch verkompliziert, dass ich nur eine Woche zuvor mit der Einnahme von Aciclovir begonnen hatte, um meine persistierenden Herpesviren zu bekämpfen. Diese breiten sich bei mir bevorzugt in den Schleimhäuten wie Augen, Mund, Genitalbereich und hinter dem Ohr aus.
Das Immunsystem bei ME-Erkrankten ist paradoxerweise überaktiv und zugleich zu schwach. Es verbleibt nach einem Auslöser (z. B. einem Virusinfekt) in einem permanenten Alarmzustand. Dabei produziert es fehlgeleitete Autoantikörper, die sich gegen die eigenen Körperstrukturen richten. Genau diese chronische Überlastung führt zur Erschöpfung der natürlichen Killerzellen und T‑Zellen. Diese verlieren dadurch ihre eigentliche Funktion: das Erkennen und Vernichten von neuen sowie persistierenden Viren. Das Immunsystem ist also nicht primär zu schwach, sondern fehlgeleitet und chronisch fehlreguliert.
Aus diesem Grund entschied ich mich für die Einnahme des antiviralen Mittels. Das Aciclovir (400 mg, fünfmal täglich alle drei Stunden) tat mir unglaublich gut. Die Entzündungen gingen zurück und die nachmittägliche Erschöpfung verschwand. Doch sobald ich es absetzte, kehrten die Symptome binnen Stunden zurück. Das rechte Auge fing wieder an zu jucken, hinter dem Ohr lösten sich die ersten Hautschuppen und beim Toilettengang spürte ich deutlich die offenen Stellen im Intimbereich. Da auch der Darm mit Schleimhaut ausgekleidet ist, gehe ich davon aus, dass die Herpesviren dort ebenso aktiv sind und Entzündungen hervorrufen.

Zwei neue Medikamente
In so kurzer Zeit zwei neue Medikamente einzuführen, war sicher nicht optimal. Was sich unter Semaglutid in den folgenden Wochen auf meiner Garmin Vivoactive 5 zeigte, war erschreckend und faszinierend zugleich: Mein Ruhepuls stieg massiv an, während die Herzfrequenzvariabilität (HRV) drastisch einbrach.
Dieses Phänomen ist in der Wissenschaft bekannt, aber nicht vollständig verstanden. Tiermodelle an Mäusen zeigen, dass GLP-1-Rezeptoragonisten die Herzfrequenz erhöhen und die HRV unterdrücken, vermutlich durch eine Verringerung der parasympathischen Aktivität. Versuche, diesen Effekt mit klassischen Herzmedikamenten zu blockieren, führten oft zu widersprüchlichen Ergebnissen. Auch in den Patienten-Gruppen wird dieser Effekt reihenweise geschildert.
Vor der GLP-1-Einnahme nutzte ich den Betablocker Nebivolol, der mir half, die Herzfrequenz zu senken und die HRV zu steigern. Durch die Kombination mit dem GLP‑1 merkte ich jedoch, dass ich den Betablocker anpassen musste, um den Kreislauf stabil zu halten und habe ihn zunächst ausgeschlichen, um ihn später in einer deutlich geringeren Dosis (2,5 bis 5 mg) wieder einzuführen.

Weniger PEM/PENE und bessere Reiztoleranz
Trotz der objektiv katastrophalen HRV- und Pulswerte fühlte ich diese Belastung nicht. Im Gegenteil. Ich konnte mich plötzlich wieder selbst zu Hause versorgen (kochen), mir problemlos meine Kompressionshose anlegen und mich im Haus deutlich freier bewegen.
Der eigentliche Durchbruch zeigte sich jedoch bei der zeitverzögerten Zustandsverschlechterung (PENE/PEM) – jener neuroimmunologischen Verschlechterung, die eher eine Regenerationsintoleranz als eine reine Belastungsintoleranz darstellt. Bis vor vier Wochen trat PENE bei mir exakt 62 Stunden nach einer Überlastung ein.
Ich testete meine neuen Grenzen schonungslos bei einer LiegendDemo am 12. Mai in Jena, die ich mitorganisiert hatte. Ich wusste, ich würde massiv über meine Baseline gehen. Die PENE kam – aber direkt nach dem Ereignis und war so mild und so kurz, dass ich es kaum glauben konnte. Die 62-Stunden-Zeitverzögerte-Verschlechterung — die sonst min. 3–5 Tage angedauert hätte — blieb völlig aus. Dennoch übertreibe ich es jetzt nicht. Und es ist auch nicht so als könne ich plötzlich alles wieder — aber ich halte es aus über meine Baseline zu gehen und sie scheint sich nach vorn zu verschieben, während ich stabil bleibe.
Gastrointestinale Beschwerden
Auch die MCAS-Symptome verschwanden rapide. Schon am zweiten Tag konnte ich Lebensmittel wie Tomaten, Zwiebeln und Paprika wieder essen. Der tiefe komatöse Zustand nach den Mahlzeiten ist weg. Dank der Medikation vertrage ich morgens wieder Porridge mit Pflanzenmilch. Zudem sind die starken Schmerzen in Beinen und Armen, die ich durch mein Lipödem hatte, vollständig verschwunden.

Es gibt mittlerweile auch Datenerhebungen aus Patientennetzwerken wie LC ME Data. Diese zeigen zwei Extreme: Bei 53 % der Behandelten verbesserte sich der Zustand (oft schon in den ersten Tagen), bei 28 % verschlechterte er sich. Schwerstkranke (bettlägerige) Personen profitierten seltener; hier lag die Verschlechterungsrate bei 40 %. Insomnie (Schlaflosigkeit) kristallisierte sich dabei oft als frühes Warnsignal für einen negativen Verlauf heraus. Auch mein Schlaf war in den ersten zwei bis drei Wochen eher schlechter als sonst, normalisierte sich dann aber glücklicherweise in der vierten Woche.
Die Angst vor dem Abbau: Muskelmasse und Knochenschutz
In den WhatsApp-Selbsthilfegruppen, in denen ich mich austausche, wird ein Thema immer wieder mit großer Sorge besprochen: Der mögliche Abbau von Muskulatur und das Risiko für Osteoporose unter der Therapie. Diese Angst ist absolut nachvollziehbar, denn für uns ME-Erkrankte ist jeder Verlust an physischer Substanz bedrohlich. In einem Artikel auf DocCheck wurde ein aktueller Übersichtsartikel zusammengefasst, der genau diese Bedenken aufgreift und wichtige wissenschaftliche Nuancen liefert, die beruhigen könnten.
Im Überblick
- Der Schutz der Knochendichte: Normalerweise geht ein rascher, durch Kalorienrestriktion bedingter Gewichtsverlust klassischerweise mit einer Verringerung der Knochendichte einher. Präklinische Daten deuten jedoch darauf hin, dass GLP-1-Rezeptoragonisten diesem Abbau sogar entgegenwirken. Sie stimulieren die Aktivität der knochenaufbauenden Zellen (Osteoblasten) und hemmen gleichzeitig die knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten).
- Muskelmasse vs. Muskelqualität: Es ist ein Fakt, dass bis zu 40 Prozent des Gewichtsverlusts unter GLP‑1 auf die sogenannte fettfreie Masse entfallen können. Ärzte raten daher oft zu Krafttraining und einer erhöhten Proteinzufuhr. Da Krafttraining für Menschen mit ME aufgrund der PEM-Gefahr oft utopisch ist, rückt die Ernährung in den Fokus. Doch der reine Blick auf die Waage greift zu kurz: Bildgebende Studien zeigen, dass sich unter der Therapie die Muskelqualität gleichzeitig verbessert. Der intramuskuläre Fettanteil sinkt, metabolische Funktionen werden optimiert und die Faserstruktur wird günstiger — sozusagen mehr Qualität als Quantität.
- Funktionelle Belastbarkeit: Diese verbesserte Muskelqualität ist laut dem Review auch der Grund dafür, dass in Studien oft von längeren Gehstrecken und einer insgesamt gesteigerten Belastbarkeit berichtet wird. Der Abbau von Muskelmasse wird in diesem Kontext eher als physiologische Anpassung verstanden, nicht als rein pathologischer Prozess.
- Antiinflammatorischer Gelenkschutz: Eine weitere gute Nachricht für schmerzgeplagte Gelenke ist, dass eine Aktivierung der GLP-1-Rezeptoren im synovialen Gewebe die Spiegel proinflammatorischer Zytokine (wie TNF‑α, IL‑6 und IL-1β) deutlich senkt. Es ergibt sich ein klar entzündungshemmendes und knorpelschützendes Profil.
Diese Erkenntnisse decken sich mit meiner eigenen Erfahrung: Obwohl ich auf der Waage Gewicht verliere, fühle ich mich muskulär nicht schwächer. Im Gegenteil – die verbesserte metabolische Funktion scheint den reinen Verlust an Masse mehr als auszugleichen.

Ein behutsamer Blick nach vorn
Der Gewichtsverlust ist für mich zweitrangig. In den ersten drei Wochen verlor ich nur rund ein Kilo (vermutlich Entzündungswasser), mittlerweile sind es 1,5 Kilo. Da ich in dem aktuellen großen Crash, der nun schon zwei Jahren andauert, 11kg zugenommen hatte, pendelt sich mein Körper nun langsam wieder in Richtung meines Wohlfühl- und Normalgewichts ein.
Ich werde die nächsten drei Monate abwarten, ob dieser Aufwärtstrend anhält. Ein Arzt der Long-COVID-Klinik Wien, mit dem ich kürzlich sprach, bestätigte mir, dass GLP‑1 bei der MCAS-Problematik durchaus unterstützend wirken kann, riet aber aufgrund des neuen Medikaments davon ab, parallel noch LDN (Low Dose Naltrexone) einzuschleichen — denn das wäre sein Vorgehen gewesen. Also vielleicht fange ich doch noch mit LDN an, aber definitiv nicht so schnell.
Ich zwinge mich nicht jeden Tag zu der gleichen Strecke Spaziergang. Ich setze auf intuitives Pacing. Wenn mein Körper an zwei Tagen hintereinander sagt, dass er Ruhe braucht, dann ruhe ich. Manchmal flüstert die Psyche dann: Ist das Faulheit? Doch dann erinnere ich mich: Es mangelt uns Erkrankten in den seltensten Fällen an Motivation oder Antrieb. Es mangelte uns schlichtweg an Kraft, an Ausdauer, am Energieträger ATP.
Wenn dieses Medikament mir dabei hilft, die biochemischen Bremsen in meinen Zellen ein wenig zu lösen, dann ergreife ich diese Chance. Jeder von uns geht seinen eigenen, ganz individuellen Weg, im eigenen, ganz persönlichen Tempo.
Hilfe zur Selbsthilfe: Die Klicktabellen fürs Mikrodosing
Wenn ich nach heutigem Wissensstand noch einmal ganz von vorn anfangen würde, würde ich definitiv vorsichtiger starten – vermutlich mit nur 3 bis 5 Klicks.
Hast du schon Erfahrungen mit GLP‑1 oder GIP gemacht? Schreib es gern für uns alle in die Kommentare.
Da ich aus eigener Erfahrung weiß, wie verwirrend das Thema Mikrodosierung am Anfang sein kann, teile ich hier die Tabellen, die ich für meine eigene Orientierung erstellt habe.
Ein wichtiger Hinweis vorab: Diese Tabellen sind keine medizinische Empfehlung! Klick-Dosierungen und Mikrodosing sind vom Hersteller nicht autorisiert (Off-Label). Die tatsächliche Dosis kann je nach Pen-Variante leicht abweichen. Bitte beachtet immer die Packungsbeilage und sprecht zwingend mit eurem behandelnden Arzt. Wer diese Tabellen anwendet, tut dies auf eigenes Risiko.
Orientiert habe ich mich hieran: https://diabetesundherz.de/wp-content/uploads/2025/07/Ozempic-Dosierung.pdf




Hallo Molly,
ich spritze seit 3 Jahren Ozempic 1 mg. Verordnet wegen zu hoher Blutzuckerwerte. Angenommen hab ich nicht. Hab es soweit gut vertragen bis ich im Februar plötzlich nach dem Spritzen nachts Schüttelfrost, ganz schlimme Bauchschmerzen bekommen habe und mich fürchterlich übergeben musste. Seit dem hab ich die Dosis reduziert auf zweimal 0,25 pro Woche.
Leider sind meine Zuckerwerte wieder schlechter. Mein CRP sehr hoch und auch sonst kann ich nicht sagen, dass es weniger vor PENE schützt oder die Mastzellen beruhigt. Bei allem Probieren sollte man nicht die Nebenwirkungen und eventuelle Folgen außer Acht lassen. Es ist kein Wundermittel und mir scheint es bricht unter Betroffenen gerade ein Hype aus.
Hallo Simone,
Danke für deinen Erfahrungsbericht. Ja, die NW sollten wir auf keinen Fall außer Acht lassen. Ich versuche — trotz allem positiven Effekt — immer umfänglich zu informieren.
Es wird bei jedem Medikament Responder und non-Responder geben. Menschen denen X hilft und Y nicht — und umgekehrt.
Deswegen ist der offene und ehrlich Austausch so wichtig.
Ich wünsche dir dass es dir bald ganz deutlich besser geht — egal womit ☺️
LG, Molly.