Natron bei muskulärer Übersäuerung und PEM Erfahrungen & Forschung

Was ist Natron eigentlich?

Natron, auch bekan­nt als Natri­umbi­car­bon­at oder Natri­umhy­dro­gen­car­bon­at (NaH­CO₃), ist ein weißes, kristallines Pul­ver mit schwach alka­lis­ch­er Wirkung. Im Kör­p­er wirkt es als natür­lich­es Puffer­sys­tem, das über­schüs­sige Säuren durch Bindung neu­tral­isieren kann und es hil­ft, den pH-Wert von Blut und Gewebe sta­bil zu hal­ten. Diese pH-Puffer­ung ist entschei­dend für enzy­ma­tis­che Prozesse, Zel­lat­mung und Muske­lar­beit. Genau deshalb find­et es nicht nur in der Küche oder im Haushalt Anwen­dung, son­dern auch im Sport und zunehmend im medi­zinis­chen Kon­text. Hin­ter dem unschein­baren Pul­ver ver­birgt sich ein faszinieren­der bio­chemis­ch­er Mech­a­nis­mus, der auch bei chro­nis­chen Erkrankun­gen wie ME/CFS (Myal­gis­che Enzephalomyelitis / Chro­nis­ches Fatigue-Syn­drom — nach­fol­gend nur ME genan­nt) von Inter­esse sein kön­nte.

Natron im Sport: Die Pufferstrategie gegen Übersäuerung

Bei inten­siv­er kör­per­lich­er Anstren­gung steigt die Lak­tat­pro­duk­tion in den Muskeln. Das führt zu ein­er lokalen Azi­dose (Über­säuerung), die Leis­tungsab­fall und Muskel­bren­nen verur­sacht. Genau hier set­zt Natron an: Als exo­gen­er Puffer erhöht es die Bikar­bon­atkonzen­tra­tion im Blut, ver­langsamt den pH-Abfall und ver­schiebt die Lak­tatschwelle nach oben.

Wis­senschaftlich belegt: Stu­di­en zeigen, dass Natron ins­beson­dere bei kurzen, inten­siv­en Belas­tun­gen (z. B. 400-m-Lauf, Rud­er- oder Cross­fit-Ein­heit­en) die Aus­dauer steigern kann. Diese Stu­di­en und andere Lit­er­atur unter­suchte auch die Inter­na­tion­al Soci­ety of Sports Nutri­tion (ISSN, 2021) und ist zum Schluss gekom­men, dass die Ein­nahme von Natri­umbikar­bon­at mit ein­er sig­nifikan­ten Leis­tungsverbesserung während Aktiv­itäten ein­herge­ht.

Egal ob die Belas­tun­gen zwis­chen 30 Sekun­den bis 12 Minuten andauern oder inten­sive Wieder­hol­un­gen sind. Die emp­foh­lene Dosis für Sportler liegt hier typ­is­cher­weise bei 0,2–0,3 g/kg Kör­pergewicht, ein­genom­men 60 bis 90 Minuten vor der Belas­tung. Die ISSN betont, dass indi­vid­u­al­isierte Strate­gien zur Min­imierung gas­troin­testi­naler Beschw­er­den entschei­dend sind. Zum Beispiel durch gestaffelte Ein­nahme, magen­re­sistente Kapsel­prä­parate oder par­al­lel zu Mahlzeit­en. Zudem hebt sie her­vor, dass die Kom­bi­na­tion von Natron mit anderen leis­tungssteigern­den Sub­stanzen wie Kreatin oder Beta-Alanin syn­er­gis­tis­che Effek­te haben kann, ins­beson­dere bei wieder­holten hochin­ten­siv­en Belas­tun­gen.

Auswirkungen der Natriumbicarbonataufnahme auf den Muskelstoffwechsel

Quelle: Grgic et al. (2021c) Schema­tis­che Darstel­lung des Mech­a­nis­mus der HCO3– Auf­nahme im Magen und der Auswirkun­gen der Natri­umbi­car­bon­atauf­nahme auf den Muskel­stof­fwech­sel und aus­gewählte Blut­pa­ra­me­ter.

Die Abbil­dung zeigt, wie die Ein­nahme von Natri­umbi­car­bon­at (NaH­CO₃) den pH-Wert im Magen und im Kör­p­er bee­in­flusst:

  1. Im Magen:
    • NaH­CO₃ neu­tral­isiert Magen­säure (HCl) → CO₂ entste­ht → pH steigt.
    • Dadurch wird der Cl⁻/HCO₃⁻-Austauscher in den Belegzellen aktiviert.
    • Er trans­portiert HCO₃⁻ ins Blut, während H⁺ aktiv zurück in den Magen gepumpt wird.
  2. Im Blut & Muskel:
    • Mehr HCO₃⁻ im Blut puffert über­schüs­sige H⁺-Ionen.
    • Das unter­stützt die MCT-Trans­porter (MCT1/MCT4) dabei, Lak­tat und H⁺ aus den Muskeln zu ent­fer­nen.
    • Das verbessert den Säure-Basen-Haushalt im Muskel, erlaubt mehr Glykol­yse, mehr ATP-Pro­duk­tion und höhere Lak­tatwerte im Blut.

Kurz gesagt: Natri­umbi­car­bon­at erhöht die Puffer­ka­paz­ität im Kör­p­er, erle­ichtert die Säureauss­chei­dung aus den Muskeln und steigert so die Leis­tungs­fähigkeit.

Gestörter Energiestoffwechsel bei ME/CFS

Men­schen mit ME lei­den unter einem mas­siv gestörten Energiestof­fwech­sel. Bere­its geringe Belas­tun­gen kön­nen soge­nan­nte Post-Exer­tion­al Malaise (PEM) und/oder Post-Exer­tion­al Neu­roim­mune Exhaus­tion (PENE) aus­lösen, die einen über Tage oder Wochen anhal­tenden Energiecrash (deut­liche Zus­tandsver­schlechterung mit ein­er Vielzahl typ­is­ch­er ME-Symp­tome) zur Folge haben. Stu­di­en deuten auf eine gestörte Sauer­stof­fver­w­er­tung, pH-Ver­schiebun­gen im Muskel und erhöhte Lak­tatwerte schon bei min­i­maler Belas­tung hin.

Prof. Dr. Chris­t­ian Puta beschreibt in ein­er aktuellen Unter­suchung einen möglichen zen­tralen Path­o­me­ch­anis­mus für PEM: Dem­nach kön­nte eine frühzeit­ige metabolis­che Erschöp­fung auf zel­lulär­er Ebene vor­liegen, ver­bun­den mit ein­er inadäquat­en Regen­er­a­tion nach Belas­tung. Seine Stu­di­en zeigen, dass selb­st bei sub­max­i­malen Belas­tun­gen, z. B. während eines leicht­en Hand­krafttests, eine auf­fäl­lig schnelle Akku­mu­la­tion von Lak­tat und eine verzögerte Rück­bil­dung metabolis­ch­er Mark­er auftreten.

Dies deutet auf eine gestörte aer­obe Energiegewin­nung hin, möglicher­weise durch eine mito­chon­dri­ale Dys­funk­tion oder eine gestörte neu­rovaskuläre Reg­u­la­tion. Die Folge ist: Schon geringe Reize führen zu ein­er kaskadenar­ti­gen Über­forderung des gesamten Sys­tems – also dem, was Betrof­fene als PEM/PENE erleben. Daraus ergibt sich die Hypothese, dass Puffer­strate­gien hier sin­nvoll sein kön­nten.

Prof. Chris­t­ian Puta — Vor­trag auf der ME/CFS-Fach­ta­gung 2024 des Fati­ga­tio e.V.

Natron und Immunmodulation

Laut aktueller Stu­di­en kön­nte eine länger­fristige Ein­nahme von Natron (Natri­umbikar­bon­at) nicht nur den pH-Wert im Blut bee­in­flussen, son­dern auch das Immun­sys­tem mod­ulieren. Tier­ex­per­i­mente sowie erste Stu­di­en an Men­schen zeigen, dass die regelmäßige Gabe von Natron das Gle­ichgewicht zwis­chen proin­flam­ma­torischen und anti­in­flam­ma­torischen Immun­zellen ver­schieben kann. Ins­beson­dere bei Makropha­gen wurde eine Verän­derung von den entzün­dungs­fördern­den M1-Zellen hin zum entzün­dung­shem­menden M2-Zellen beobachtet. Ray et al. (2018b) zeigte eben­falls, dass FOXP3⁺, CD4⁺ und T‑Regulatorische Zellen durch die orale Ein­nahme von Natron zunah­men.

Diese Effek­te trat­en unter anderem in der Milz, im Blut und in den Nieren auf. Der zugrunde liegende Mech­a­nis­mus scheint über eine verän­derte Aktiv­ität mesothe­lialer Zellen in der Milz und die vagale Sig­nal­weit­er­leitung ver­mit­telt zu sein, was eine sys­temis­che antientzündliche Wirkung zur Folge haben kön­nte. Die Forschung hierzu steckt noch in den Anfän­gen, doch ger­ade für chro­nisch entzündliche Erkrankun­gen oder Autoim­munprozesse, wie sie bei ME ver­mutet wer­den, kön­nten diese Ergeb­nisse weg­weisend sein.

Auch der Bericht „The Changes in pH Lev­els, Blood Lac­tic Acid and Fatigue Index to Anaer­o­bic Exer­cise on Ath­lete After NaH­CO₃ Admin­is­tra­tion“ von Afif Rus­di­awan et al. (2020) unter­sucht die Wirkung von Natri­umbikar­bon­at (NaH­CO₃) auf bes­timmte phys­i­ol­o­gis­che Para­me­ter bei Sportlern nach anaer­ober Belas­tung. Es kon­nte geziegt wer­den, dass im Ver­gle­ich zur Place­bo­gruppe, die Ein­nahme von Natri­umbikar­bon­at (0,4 g/kg Kör­pergewicht) vor anaer­ober Belas­tung (in diesem Fall ein 300-Meter-Sprint) bei jun­gen Ath­leten sig­nifikant zu einem gerin­geren Abfall des Blut-pH-Werts, ein­er gerin­geren Anre­icherung von Lak­tat im Blut und einem niedrigeren Fatigue-Index führte. Die Ergeb­nisse deuten darauf hin, dass Natri­umbikar­bon­at als Puffer wirkt, die Über­säuerung durch inten­sive kör­per­liche Aktiv­ität abschwächt und somit die kör­per­liche Erschöp­fung reduziert.

Annäherung aus der Praxis: Erfahrungen und Herantasten

Einige ME-Betrof­fene bericht­en von vor­sichti­gen Selb­stver­suchen mit Natron. Meist deut­lich niedriger dosiert als in der Sportmedi­zin emp­fohlen. Häu­fig genan­nte Anwen­dun­gen sind das Trinken von Kaiser­na­tron (=100% reinem Natri­umhy­dro­gen­car­bon­at) oder die Ein­nahme von magen­saftre­sisten­ten Kapseln. Bei Mis­chen in Wass­er reicht das vor­sichtige Ver­hält­nis von ein­er Messer­spitze (ca. 1g) bis hin zu 3g Natron in 250ml Wass­er. Entwed­er bere­its bei ersten Anze­ichen ein­er begin­nen­den PEM/PENE-Symp­to­matik (z.B. bei begin­nen­dem Muskel­bren­nen) oder pro­tek­tiv vor poten­ziell über­fordern­den Aktiv­itäten.

Die Ein­nahme erfol­gt oft mor­gens nach dem Auf­ste­hen, vor kör­per­lichen Aktiv­itäten oder gele­gentlich auch vor dem Schlafenge­hen. Jedoch nicht gle­ichzeit­ig mit der Ein­nahme von Medika­menten, da Wech­sel­wirkun­gen nicht aus­geschlossen wer­den kön­nen.

Manche erleben dadurch eine sub­jek­tive Ent­las­tung durch weniger muskulär­er Über­säuerung, weniger Muskel­bren­nen oder eine schnellere Erhol­ung nach min­i­maler Belas­tung oder gar bis hin zum Aus­bleiben von PEM/PENE.

Solche Erfahrun­gen sind jedoch indi­vidu­ell sehr unter­schiedlich und nicht mit klin­is­chen Stu­di­en gle­ichzuset­zen.

Den­noch zeigen sie, dass ein vor­sichtiges Her­an­tas­ten im Rah­men des per­sön­lichen Symp­tom­man­age­ments sin­nvoll sein kann – z. B. mit ein­er winzi­gen Dosis (1/4 Teelöf­fel = 1g) über den Tag verteilt. Von ein­er dauer­haften Anwen­dung ist abzu­rat­en.

Eben­falls wichtig ist, acht­sam zu sein und die eigene Reak­tio­nen über mehrere Stun­den oder gar Tage hin­weg gut zu beobacht­en. Hier­bei emp­fiehlt sich wieder ein gut geführtes ME-Tage­buch. Denn Natron ist ein stark wirk­ender Stoff, der auch poten­zielle Risiken wie Magenbeschw­er­den, Natri­umüber­ladung, Bluthochdruck, Elek­trolytver­schiebun­gen (v. a. Kali­um) sowie eine Störung der kör­pereige­nen pH-Reg­u­la­tion bei häu­figer oder zu hoher Ein­nahme, mit sich brin­gen kann. Beson­ders bei beste­hen­den Herz‑, Nieren- oder Blut­druck­prob­le­men ist große Vor­sicht geboten.

Der Natron-Magensäure-Test: Was er zeigt & was nicht

Ein häu­fig genutzter, aber wis­senschaftlich umstrit­ten­er Selb­sttest zur Ein­schätzung der Magen­säure­pro­duk­tion ist der soge­nan­nte Natron-Magen­säure-Test (auch „Bicar­bon­at-Test“ genan­nt). Dabei wird mor­gens auf nüchter­nen Magen ein Glas mit 1/4 Teelöf­fel Natron (Natri­umhy­dro­gen­car­bon­at) in etwa 150–200 ml Wass­er getrunk­en.

Natron reagiert (wie oben bere­its gel­ernt) im Magen chemisch mit Salzsäure (HCl) unter Bil­dung von Kohlen­diox­id (CO₂). Und das führt im Ide­al­fall inner­halb weniger Minuten zu einem spür­baren Auf­s­toßen.

NaH­CO₃ + HCl → NaCl + H₂O + CO₂↑

Die zugrun­deliegende Annahme ist sim­pel: Je mehr Magen­säure vorhan­den ist, desto schneller entste­ht CO₂ und desto schneller kommt es zum Auf­s­toßen. Bleibt dieses über län­gere Zeit aus (z. B. > 5 Minuten), schließen manche Anwen­der auf einen Man­gel an Magen­säure (Hypochlorhy­drie).

Wissenschaftliche Bewertung

Trotz sein­er Beliebtheit in alter­na­tiv­en Gesund­heit­skreisen gilt der Test in der evi­denzbasierten Medi­zin als unzu­ver­läs­sig. Die Reak­tion ist nicht exakt quan­tifizier­bar. Das hängt von vie­len Fak­toren ab: u. a. der Magen­fül­lung, Beweglichkeit des Magens, Schluck­tech­nik, Natron­menge und indi­vidu­eller CO₂-Tol­er­anz. Stu­di­en, die den Test mit objek­tiv­eren Mess­meth­o­d­en wie der Magen­säure-pH-Mes­sung oder dem Hei­del­berg-Test ver­gle­ichen, zeigen eine geringe Kor­re­la­tion.

Der Natron-Magen­säure-Test kann höch­stens als grober Anhalt­spunkt dienen, erset­zt aber keine diag­nos­tis­che Abklärung. Wer regelmäßig Symp­tome wie Blähun­gen, Reflux, Völ­lege­fühl oder Nährstoffmän­gel hat, sollte eine pro­fes­sionelle Unter­suchung erwä­gen. In manchen Fällen kön­nen sog­ar para­dox erscheinende Beschw­er­den (z. B. Sod­bren­nen durch zu wenig Magen­säure) auftreten, was den Test zusät­zlich ver­fälschen kann.

Den­noch ist ein Man­gel an Magen­säure bei bes­timmten chro­nis­chen Erkrankun­gen wie z.B. der Autoim­munerkrankung Hashimo­to-Thyreoidi­tis (Celli­ni et al., 2017b) häu­figer zu beobacht­en und sollte auch bei ME immer in Betra­cht gezo­gen wer­den.

Was ME von der Sportforschung lernen könnte

Der Blick auf den Natron-Magen­säure-Test macht deut­lich, wie unter­schiedlich die Anwen­dungsziele von Natron — selb­st außer­halb des Haushal­test — sein kön­nen. Je nach­dem, worum es geht.

Im Sport oder bei Erkrankun­gen liegt der Fokus beim Binden über­schüs­siger Säure im Gewebe und Blut. Ziel ist es, beson­ders bei Belas­tung, den Energiestof­fwech­sel in den Zellen zu sta­bil­isieren. Ger­ade an dieser Stelle lohnt sich ein erneuter Blick auf die soge­nan­nte:

Laktatschwelle

Im Sport beze­ich­net sie einen Kipp­punkt zwis­chen aer­ober und anaer­ober Energiebere­it­stel­lung. Einen Punkt, an dem die Lak­tat­pro­duk­tion in den Muskeln die Lak­tate­lim­i­na­tion über­steigt.

Diese Schwelle ver­schiebt sich durch gezieltes Aus­dauer­train­ing nach oben — ein typ­is­ch­er Adap­tion­sprozess des Stof­fwech­sels, bei dem die Musku­latur effizien­ter Lak­tat ver­w­ertet und so der pH-Wert länger sta­bil bleibt. Und genau dies kann auch durch Puffer­strate­gien wie Natron kün­stlich erhöht wer­den.

Bei ME jedoch scheint genau diese Lak­tatschwelle pathol­o­gisch nach unten ver­schoben zu sein. Also viel früher erre­icht zu sein, als bei Gesun­den. Schon ger­ing­ste Belas­tun­gen führen bei ME-Patien­ten zu einem Anstieg von Lak­tat, ver­bun­den mit einem abrupten Leis­tungsab­fall.

Das bedeutet, Strate­gien, die im Sport der Leis­tung­sop­ti­mierung dienen, kön­nten bei ME helfen, das plöt­zliche Absinken des Energielevels abzu­mildern. Voraus­ge­set­zt, Natron wird ver­tra­gen, niedrig dosiert und symp­to­mori­en­tiert und mit Bedacht einge­set­zt.

Auch wenn ME und Hochleis­tungss­port gegen­sät­zliche Pole darstellen, gibt es über­raschende Gemein­samkeit­en: Bei­de fordern den Zell­stof­fwech­sel her­aus, bei­de zeigen eine Lak­tat­prob­lematik, bei­de prof­i­tieren (the­o­retisch) von pH-Puffer­ung.

Die Sportmedi­zin liefert Stu­di­en zu Wirkung, Dosierung und Neben­wirkun­gen. Die ME-Forschung nicht, kön­nte allerd­ings davon prof­i­tieren. Hierzu müsste man aber eigene Pro­tokolle entwick­eln, die viel niedrigere Dosierun­gen enthal­ten, indi­vidu­ell abges­timmt und eng­maschiger beobachtet wür­den.

Kurz gesagt

Mir ist wichtig zu beto­nen, dass Natron sich­er kein Wun­der­mit­tel ist und nicht ein­fach die Post-Exer­tion­al Neu­roim­mune Exhaus­tion (PENE) bei ME plöt­zlich wegza­ubert. Aber es kön­nte eben für den Einzel­nen ein klein­er Baustein sein, der zu weniger Symp­tomen ver­hil­ft — wenn auch nur vorüberge­hend.

Es scheint mir, dass Natron ein span­nen­der Ansatzpunkt, sowohl im sportlichen als auch im medi­zinis­chen Kon­text darstellt. Beim Let­zteren eben zur Unter­stützung des gestörten Zell­stof­fwech­sels. Eine medi­zinis­che Begleitung, genaue Selb­st­beobach­tung und langsames Her­an­tas­ten sind jedoch essen­ziell.

Hast Du Erfahrun­gen mit Natron gemacht?
Wir wür­den uns freuen, wenn du sie mit uns in den Kom­mentaren teilst!


Quellen:

1) Grgic, J., Pedis­ic, Z., Saun­ders, B., Arti­oli, G. G., Schoen­feld, B. J., McKen­na, M. J., Bish­op, D. J., Krei­der, R. B., Stout, J. R., Kalman, D. S., Arent, S. M., Van­Dus­sel­dorp, T. A., Lopez, H. L., Ziegen­fuss, T. N., Burke, L. M., Anto­nio, J. & Camp­bell, B. I. (2021c). Inter­na­tion­al Soci­ety of Sports Nutri­tion posi­tion stand: sodi­um bicar­bon­ate and exer­cise per­for­mance. Jour­nal Of The Inter­na­tion­al Soci­ety Of Sports Nutri­tion, 18(1). https://doi.org/10.1186/s12970-021–00458‑w

2) Puta, C., et al., 2024 (in prep). PEM Ver­ste­hen: Immunbi­ol­o­gis­che und phys­i­ol­o­gis­che Imp­lika­tio­nen für kör­per­liche Aktiv­ität. Fachvor­trag auf der ME/CFS-Fach­ta­gung 2024 des Fati­ga­tio e.V., 14.09.2024

3) Ray, S. C., Baban, B., Tuck­er, M. A., Seaton, A. J., Chang, K. C., Man­non, E. C., Sun, J., Patel, B., Wil­son, K., Musall, J. B., Oca­sio, H., Irsik, D., Filosa, J. A., Sul­li­van, J. C., Mar­shall, B., Har­ris, R. A. & O’Connor, P. M. (2018b). Oral NaHCO3 Acti­vates a Splenic Anti-Inflam­ma­to­ry Path­way: Evi­dence That Cholin­er­gic Sig­nals Are Trans­mit­ted via Mesothe­lial Cells. The Jour­nal Of Immunol­o­gy, 200(10), 3568–3586. https://doi.org/10.4049/jimmunol.1701605

4) Rus­di­awan, A., Mar’atus Sholikhah, A. & Pri­ha­tin­ingsih, S. (2020). The Changes in pH Lev­els, Blood Lac­tic Acid and Fatigue Index to Anaer­o­bic Exer­cise on Ath­lete After NaHCO3 Admin­is­tra­tion. In Malaysian Jour­nal of Med­i­cine and Health Sci­ences, Malaysian Jour­nal Of Med­i­cine And Health Sci­ences (Bd. 16, Num­mer SUPP16, S. 50–56).

5) Celli­ni, M., San­tagui­da, M. G., Vir­ili, C., Capriel­lo, S., Brus­ca, N., Gargano, L. & Cen­tan­ni, M. (2017b). Hashimoto’s Thy­roidi­tis and Autoim­mune Gas­tri­tis. Fron­tiers in Endocrinol­o­gy, 8. https://doi.org/10.3389/fendo.2017.00092

6) Pet­ter, E. (2024). Natri­umge­halt des Muskel­gewebes von Pati­entin­nen mit Myal­gis­ch­er Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue Syn­drom vor und nach Belas­tung der Unter­schenkel­musku­latur (Von Car­men Scheiben­bo­gen) [PhD dis­ser­ta­tion]. Medi­zinis­chen Fakultät Char­ité – Uni­ver­sitätsmedi­zin Berlin.

Hin­weis: Einige Quellen wur­den nicht im Rah­men eines stan­dar­d­isierten Peer-Review-Prozess­es veröf­fentlicht und stam­men aus Vorträ­gen (z.B. Puta et al., 2024) oder Dis­ser­ta­tio­nen (z.B. Petter,2024).

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2 Kommentare zu „Natron bei muskulärer Übersäuerung und PEM Erfahrungen & Forschung“

  1. Liebe Mol­ly,

    Danke.
    Ich habe bish­er nur Erfahrun­gen mit Natron gemacht, bei der Ein­nahme gegen Sod­bren­nen. Dein Artikel ist sehr inter­es­sant und ich werde es testen, beim näch­sten PEM, oder wenn ich denke es kön­nte PEM wer­den.
    Her­zliche Grüße
    San­dra

    1. Liebe San­dra, das freut mich. Ich drück dir die Dau­men, dass es hil­ft. Seit vor­sichtig und gib gut auf dich acht. Möge es zu kein­er PEM/PENE mehr kom­men.
      Her­zliche Grüße zurück, Mol­ly

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